MESOPOTAMIA NEWS : DIE DEUTSCHE BUNDESWEHR IN IRAKISCH-KURDISTAN & DER MILLIONENSCHWERE BARZANI-CLAN

Auslandseinsatz im Irak – Oberstleutnant berichtet von Clans und Ehrgefühl

  1. Febr 2020 – Osterholz-Scharmbeck. Die Europa-Union Kreisverband Osterholz e.V. veranstaltete einen Vortrag Oberstleutnant Jörg Struckmeier. Der berichtete in einem Bildervortrag von seinem Einsatz im Irak und den – auch kulturell bedingten – Schwierigkeiten vor Ort.

Das Camp Taji

Die Umsetzung des sehr gut vorbereiteten Lehreinsatzes wäre aber schon beim Eintreffen seines MTTLogs torpediert worden: „Wir sind als Team nicht geschlossen in den Einsatz gefahren, sondern mit der zeitlichen Differenz von zwei Monaten.“ Struckmeier erreichte im Januar letzten Jahres das Camp Taji, das 2003 von den US-Amerikanern eingerichtet wurde. „Es ist kein schönes Lager, mit merkwürdiger Sandlehmstraße.“ Hier sollten vier Monate lang kriegserfahrene irakische Soldaten logistisch ausgebildet werden. „Die Kompetenz, die wir mitbrachten, wurde von der arabischen Seite nicht so genutzt“, wie der deutsche Oberstleutnant es loyal auszudrücken versuchte. Kritik der Befehlshabenden an den Lehrgangsteilnehmern, die bei der uneinheitlichen Uniform begann, perlte ab, berichtete Struckmeier. Die Frage, ob sich die Investition der Bundeswehr von 250.000 US-Dollar, die dieser Lehrgang monatlich für die Nutzung der amerikanischen Base kostete, lohnte, beantwortete Struckmeier so: „Der vierwöchige Lehrgang, also 16 Tage à fünf Stunden wurde so nicht genutzt. Effektiv unterrichteten wir vielleicht 2,5 Stunden.“ Es gebe in der arabischen Welt eben sehr viel mehr Feiertage. „Doch es hat ihnen Spaß gemacht“, ergab eine Evaluation.

„Mein Team unterrichtete weiter, ich dagegen wurde abberufen nach Erbil, Kurdistan, um dort das von Deutschland finanzierte Peschmerga-Hospital zu übergeben.“ Die Peschmerga sind die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistans. Sie haben u.a. gegen den IS gekämpft. In Erbil konnte Struckmeier endlich mehr von Land und Leuten sehen. „Dort war es sicherer als in Frankfurt um halb elf nachts.“

 

Das Peschmerga-Krankenhaus

Die Faszination für das Zweistromland, der Wiege der Menschheit, litt ein wenig unter dem Eindruck des Militärhospitals, das mindestens 30 Kilometer draußen im Nichts läge, „gebaut von den Deutschen auf dem Gebiet des millionenschweren Bazrani-Clans.“ Nur deren Häuser seien in Sichtweite gewesen. Es könnte einen der Verdacht beschleichen, dieses 5-Millionen-Dollar-Hospital sei nach rund anderthalb Jahren Bauzeit mehr das Privatkrankenhaus für die Clan-Funktionäre – „keine Peschmerga weit und breit“, so Struckmeier.

Die gänzlich andere Mentalität der Menschen machte Struckmeiers Auslandseinsatz zu einem echten Abenteuer, an das er gern im März dieses Jahres anschließen möchte. „Ich werde eine Dienstaufsicht nach Jordanien begleiten und vier Tage in Irakisch-Kurdistan vor Ort sein.“

 

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