MESOPOTAMIA NEWS : MIT ERDOGAN VON IDLIB (SYRIA) NACH ARMENIEN (AZERBAIJAN)
Syrische Söldner in Bergkarabach – “Ich kann euch gleich hier erschießen”
Seit Wochen schickt die Türkei syrische Kämpfer in den Kaukasus. Sie sollen die Großmachtfantasien des türkischen Präsidenten umsetzen – viele bezahlen dafür mit dem Leben.
Von Daham Alasaad, Guillaume Perrier und Christoph Reuter – 31.10.2020, 00.20 Uhr DER SPIEGEL – Syrische Kämpfer in Idlib
Tareq kam lebend zurück. Das ist eher die Ausnahme dieser Tage für die mehreren Tausend Syrer, die von der Türkei als Söldner in den Kaukasus gebracht wurden. Seit September ist Welle um Welle von ihnen an die Frontlinien der Offensive Aserbaidschans geworfen worden, wo sie für die Rückeroberung der überwiegend armenisch besiedelten Enklave Bergkarabach kämpfen sollen.
Eigentlich kehren nur die Getöteten schnell zurück. Die Söldner sollen ansonsten für Monate bleiben. Wie es Tareq gelang, nach zwei Wochen Krieg wieder heil zu Hause anzukommen, ist eine Geschichte dramatischer Wendungen und großen Glücks. Sie erzählt viel über die Großmachtfantasien der türkischen Führung wie auch über deren Scheitern. Und vor allem: Da ist einer, der diese Geschichte aus eigener Anschauung erzählen kann, wenngleich sich nur Teile seiner Schilderungen unabhängig verifizieren lassen.
Tareqs Geschichte beginnt lange vor dem Ausbruch der Gefechte. Bereits Mitte August kursieren Gerüchte in der syrischen Rebellenprovinz Idlib und dem Nordteil der Provinz Aleppo, wo die türkische Armee herrscht: Die Türken würden wieder Männer anheuern, wie zuvor für ihren Kriegseinsatz in Libyen. Diesmal für Aserbaidschan, das Brudervolk der Türkei, wie es in Ankara heißt. Die Syrer würden als Wachposten vor türkischen Militärbasen eingesetzt. Dafür bekämen sie monatlich bis zu 2000 Dollar, was verdächtig viel wäre fürs Postenstehen. Mitglieder der türkisch finanzierten Einheiten innerhalb Syriens bekommen 400 türkische Lira im Monat, umgerechnet 41 Euro.
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