MESOP MIDEAST WATCH: Auf der Kippe : Droht ein neuer Krieg zwischen Israel und dem Libanon?
- Von Christoph Ehrhardt, Beirut 8-10-22 FAZ
Im Streit über den Verlauf einer Seegrenze standen die verfeindeten Staaten kurz vor einer Einigung. Jetzt setzen auf beiden Seiten die Hardliner den Ton.
Es ist wieder von Krieg die Rede. Nicht von Einigung.
Die Hoffnung, Israel und der Libanon könnten sich über den Verlauf einer Seegrenze verständigen, ist binnen kurzer Zeit in Sorge umgeschlagen. Die unter amerikanischer Vermittlung geführten indirekten Verhandlungen zwischen beiden Ländern – sie befinden sich seit 1948 offiziell im Kriegszustand – stehen auf der Kippe. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sie scheitern. Noch zu Beginn der Woche hatte der libanesische Ministerpräsident Najib Mikati verkündet, man befinde sich „auf dem richtigen Weg“. Da hatte man sich in Beirut auf letzte Änderungswünsche geeinigt, die an die amerikanischen Vermittler übermittelt wurden. Chefunterhändler Elias Bou Saab erklärte, es sei eine „Sache von Tagen, nicht Wochen“, sollten die libanesischen Vorschläge akzeptiert werden. Von „Details“ war die Rede.
Doch am Donnerstag kam die kalte Dusche aus Israel. Ein Regierungsmitarbeiter teilte mit, Ministerpräsident Jair Lapid „wurde über die Einzelheiten der wesentlichen Änderungen, die der Libanon an dem Abkommen vornehmen will, informiert und wies das Verhandlungsteam an, diese abzulehnen“. Zugleich verschärfte Verteidigungsminister Benny Gantz den Ton und sprach von einem möglichen militärischen Erstschlag. Er forderte die israelischen Streitkräfte auf, sich „auf ein Eskalationsszenario im Norden vorzubereiten, sowohl offensiv als auch defensiv“.
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