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Kranker Mann Europas“? : Europa schaut besorgt auf Deutschland

Die deutsche Wirtschaft stagniert, die Inflation ist weiter hoch. Für die europäischen Nachbarn hat das Folgen. Ein Überblick.

  • Von Hanna Decker, Andreas Mihm, Philip Plickert, Johannes Ritter, Christian Schubert und Klaus Max Smolka  FAZ – 24.08.2023-19:11

Im Jahr 1999 schrieb das britische Magazin „The Economist“ Geschichte. „Deutschland – der kranke Mann Europas“ titelte die Zeitschrift und prägte mit dem Begriff eine jahrelange Debatte um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit, die in der rot-grünen Agenda 2010 mündete. Heute, 24 Jahre später, sind die Aussichten ebenfalls trüb. Die Wirtschaft stagniert, die Inflation ist mit 6,2 Prozent weiter hoch. Deutschland ist laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) das einzige Land der G-7-Gruppe, dessen Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen wird (um 0,3 Prozent). Hinzu kommen strukturelle Pro­bleme wie Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, marode Infrastruktur und lahmende Digitalisierung. Für die europäischen Nachbarn, die wirtschaftlich eng mit Deutschland verflochten sind, bleibt das nicht ohne Folgen. So sind viele Länder nicht gerade begeistert über die aktuelle Entwicklung.

Schweiz in Sorge

In der Schweiz zum Beispiel ist man beunruhigt über Deutschlands Formtief. Schließ­lich gehört das nördliche Nachbarland zu den wichtigsten Handelspartnern der Eidgenossenschaft. Für die exportstarke Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie ist die Bundesrepublik sogar der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Daher blickt Stefan Brupbacher, Direktor des Branchenverbands Swissmem, „mit großer Sorge“ nach Deutschland.

„Wenn die Industriekonjunktur in Deutschland schwächelt, wirkt sich dies zwangsläufig negativ auf den Geschäftsgang vieler Unternehmen der Schweizer Tech-Industrie aus“, erklärt Brupbacher gegenüber der F.A.Z. Im zweiten Quartal seien die Ausfuhren nach Deutschland um 5,5 Prozent gesunken. Sehr viele Schweizer Industrieunternehmen hätten zudem Produktionskapazitäten oder zumindest eine Tochtergesellschaft in Deutschland.

Gefragt, wo er in Deutschland den größten Handlungsbedarf sieht, verweist der Swissmem-Direktor auf sein Heimatland: „Die Schweiz hat gute Erfahrungen damit gemacht, keine durch Subventionen befeuerte Industriepolitik zu betreiben.“ Kurzfristig könne ein Strukturwandel schmerzhaft sein. Mittel- und langfristig zahle sich dieser aber durch eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit aus.

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