MESOP MIDEAST WATCH: DIE EWIGE ANDAUERNDE NAKBA
Palästinenser : Frei, aber nicht sicher
- Von Quynh Tran, Haifa – FAZ – -Aktualisiert am 15.05.2023-07:49
Ruinen der Häuser von Wadi Salib, eines der ehemaligen palästinensischen Viertel von Haifa
Heute erinnern die Palästinenser an die Vertreibung ihrer Vorfahren aus dem damaligen Palästina. Mit Krawallen ist am Tag der Nakba stets zu rechnen. Doch wie denken die Menschen über ihre Situation in Israel?
Die plötzliche Leere mitten in Haifa lässt staunen. Zwischen dem Treiben im modernen Zentrum und dem belebten Flohmarkt erhebt sich plötzlich eine Geisterstadt mit alten Anwesen. Wie Wächter thronen sie über dem Hafen und dem Gerichtshof. Es sind die Ruinen des Wadi Salibs, neben dem benachbarten Wadi Nisnas das einzige noch erhaltene palästinensische Viertel aus osmanischer Zeit. Die Leere spricht Bände. Denn im Wadi Salib manifestiert sich vieles, was im öffentlichen israelischen Diskurs unerwünscht ist: Hier erhoben sich 1959 arabischstämmige Juden in der ersten Bürgerrevolte Israels gegen die Diskriminierung durch die aschkenasische Elite.
Noch viel mehr aber erzählt das Viertel die Geschichte der Palästinenser. Wenn 75 Jahre nach der Staatsgründung rechte Politiker mit einer neuen Nakba drohen – dem arabischen Begriff für die Vertreibung eines Großteils der palästinensischen Bevölkerung, die mit der Staatsgründung Israels einherging –, dann sind diese leeren Häuser nicht zuletzt ein Mahnmal auch für gegenwärtige Konflikte.
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