THEO VAN GOGH: DER AUTOMAT / ChatGPT – SINGULARITY IS NEAR !

Magnus Klaue

1 Std.  ·

Nachdem ich mir versuchsweise dieses ChatGPT-Dings angetan habe, muß ich alle kulturkonservativen Kassandra-Rufe zurückweisen: Das Ding ist so vorhersehbar, dröge, plump und öde, daß es den Zerfall der Zivilisation wohl dokumentiert, aber nicht befördert.

 

Es klingt, als wäre es von Carolin Amlinger in Kollaboration mit Margarete Stokowski entwickelt worden: strunzbieder, tumb-besserwisserisch und vollkommen witzlos.

Wer seine Hausarbeit damit erstellen läßt, dürfte bei jedem Dozenten, der nicht schon selbst an die Künstliche Intelligenz angeschlossen ist, ein “Ungenügend” bekommen. Wenn man es fragt, warum es denn so doof ist, wird man moralisierend zurechtgewiesen. Und auf die Frage, wie man möglichst geschickt Verwandte oder Kollegen aus dem Weg räumen kann, kommen statt vernünftiger Ratschläge oder Sarkasmus pikierte Distanzierungen.

Jeder Papagei ist geistvoller.

 

Robert Ballhütte

Ohne Frage, das Ding plappert allenfalls nach, aber das machen kleine Kinder auch. Die Frage für mich ist nicht, was das Ding jetzt kann, sondern wofür es künftig eingesetzt und wie es sich entwickeln wird.

 

Ökonomische Entscheidungen sind nicht immer (vielleicht sogar auch eher selten) geistvolle Entscheidungen. In den Büros werden meist auch dröge, plumpe und öde Texte produziert. Ein von Hand gedrucktes Buch sieht ohne Zweifel schöner aus, ist handwerklich besser gearbeitet, hält auch deutlich länger, aber dennoch ist die maschinelle Klebebindung auf maschinell gefertigtem Papier heute die Regel, obwohl die Qualität bis heute nicht an die Pressendrucke heranreichen.

 

Man hat sich daran gewöhnt, dass Bücher ein billig produziertes Gut sind, mit handwerklich mittelmäßiger Qualität. Und vielleicht wird in 10 oder 20 Jahren auch in Anwaltskanzleien, in Werbefirmen, in den Großraumbüros die Frage aufkommen, ob es das Schreibhandwerk dür die Standardtexte noch braucht oder ob diese Texte nicht viel günstiger von der Maschine erledigt werden können. Das mag zunächst nicht die Qualität richtigen Schreibens beeinträchtigen, aber in der Masse könnte die Kulturtechnik des Schreibens (wie es mit der Handschrift ja schon heute der Fall ist) verschwinden.

 

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