THEO VAN GOGH: „EINHEIT UND KAMPF DER WIDERSPRÜCHE!“ = Lire le Capital (MARX) / DER AUSLAUFENDE ANTI-ESSENTIALISMUS & NEU FORMIERUNG DER KADER
Eva Illouz im Gespräch : „Die Idee einer Gesellschaft der Individuen ist naiv“
- Von Elena Witzeck FAZ – 23.11.2022 – Wir dürfen uns nicht isolieren: die französisch-israelische Soziologin und Autorin Eva Illouz.
Müssen wir den Individualismus in einer Kultur, die das Subjekt über alles andere stellt, eigentlich noch verteidigen? Die Soziologin Eva Illouz über die Vorstellung einer Gesellschaft aus lauter Einzelnen.
Frau Illouz, Sie haben in Bonn über die Grenzen des Selbst gesprochen. Ihr Thema ist gerade wieder „in“.
Es ging um das Subjekt. Es war jahrzehntelang Thema philosophischer Dekonstruktion und Kritik, daher die Frage: Was machen wir jetzt mit dem Subjekt? Ob Psychoanalyse, Strukturalismus oder marxistische Soziologie, all diese Disziplinen verlangten, nicht mehr naiv vom „Ich“ zu sprechen, vom Glauben an die Autorität des sprechenden, handelnden Subjekts abzulassen, das nun einmal abhängig von seinem ökonomischen Umfeld, von unbewussten, frühen psychischen Prozessen sei. Wir haben also auf der einen Seite eine Philosophie, die das Subjekt seit Langem hinterfragt. Und auf der anderen Seite eine Kultur, die das Subjekt ständig und obsessiv verstärkt, in der man uns sagt, was wir ändern müssen, weil wir allein verantwortlich für unser Glück sein können. Eine Gesellschaft, für die das Subjekt alles ist.
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