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Diana-Statue und Denkmalstürze : Standbilder aus dem Mutterland
- Ein Kommentar von Ursula Scheer FAZ – 03.07.2021-09:15 – Den Söhnen mag solcher Kitsch verziehen sein: Die Statue Dianas von Ian Rank-Broadley wird gerade durch ihre künstlerische Dürftigkeit unangreifbar. In England wird eine Diana-Statue enthüllt, in Kanada stürzen britische Königinnen vom Sockel. Das ist ein vielsagendes Zusammentreffen.
Da steht sie nun, die „Königin der Herzen“, in Bronze gegossen auf einem Sockel im Londoner Kensington Palace: Diana, Prinzessin von Wales, die gleich einer profanen Schutzmantelmadonna – nur ohne Mantel – drei Kinder unter ihre Fittiche nimmt. Da stürzen sie im kanadischen Winnipeg: eine Statue von Königin Victoria, der im Kensington-Palast geborenen Monarchin des britisches Weltreichs, und ein Standbild von Elisabeth II., die als Oberhaupt des Commonwealth für Verbundenheit über die Dekolonisierung hinaus steht.
Angriffe gegen Kirchen wie in Calgary oder das Denkmal für den mit der Entwicklung der Residential Schools verbundenen Egerton Ryerson wie in Toronto sind rational nachvollziehbarer als die Attacke auf die Statue Elisabeths II. Der Kampf um Symbole ist historiographisch unfair, er offenbart in Gestalt der jüngsten Statuenstürze jedoch, welche Anblicke unter veränderter Perspektive Aggressionen wecken. Die Statue Dianas dürfte vor solchen Übergriffen auf absehbare Zeit sicher sein. Nicht nur ihres geschützten Umfelds wegen oder weil sie eine Frau zeigt, die ein gebrochenes Verhältnis zur Monarchie mit kolonialer Vergangenheit hatte, nicht nur, weil sie ein Idol, ein Medienphänomen und eine Projektionsfigur wurde.
Paradoxerweise macht auch seine künstlerische Dürftigkeit das Denkmal unangreifbar. Realistisch, als hätte es Rodin und die Folgen nie gegeben, hat Ian Rank-Brodley eine Skulptur geschaffen, die Diana wirken lässt wie eine Statuendarstellerin in einer Fußgängerzone, die sich mit Metallic-Spray eingenebelt hat. Die seltsam unkindlich proportionierten Kinder an ihren Händen sind Staffage, Diana schaut turmhoch über ihnen nach vorn, als wäre dort eine Kamera. Es ist der reinste Kitsch, kalt und herzwärmend zugleich.