MESOPOTAMIA NEWS : OPFERSEIN ! DER NEUE PASSIVE (UMGEKEHRTER) HEROISMUS! DER VERZICHT AUF DIE SCHÖNHEIT !
Magnus Klaue 11 Mai 2021
Leute, die jede Wahrnehmung des Subjekts durch andere Subjekte für a priori repressiv, normierend, übel adressierend oder “anrufend” halten, entdecken sich unter Pandemiebedingungen völlig neu. Wie z.B. Teresa Bücker, Frontschwaflerin des Magazins der “Süddeutschen Zeitung”:
“Nicht nur die kurzen Gespräche im Büro sind weniger geworden. Auch Blickkontakte oder ein Lächeln von einer fremden Person auf der Straße oder in der S-Bahn sind im Pandemie-Alltag selten. Daher kommt das Feedback, dass wir noch da sind und aussehen, vor allem vom Blick in den eigenen Spiegel. Die Aufmerksamkeit für uns selbst ist geschärft, wir finden Spuren an uns, die wir noch nicht kennen. Vielleicht habe ich tatsächlich neue weiße Haare, vielleicht habe ich sie vorher nur nie gesehen.
Bei mir hat es einen ambivalenten Effekt, selbst für Komplimente zuständig zu sein. Denn zum einen schaue ich mich selbst kritischer an als andere es tun. Ich kann mich schlecht mit einem Kleid überraschen, das ich selbst ausgesucht habe, oder es anerkennend kommentieren. Zum anderen hat das Fehlen von Rückmeldungen zu meinem Körper und meiner Kleidung aber auch dazu geführt, dass ich weniger darüber nachdenke, wie mein Aussehen auf andere wirkt. Mittlerweile ist es mir an vielen Tagen egal. Ich ziehe mich schlichter an, meine auffälligeren Sachen, mein Schmuck und mein Make-up schlafen seit Monaten im Schrank. Den Satz »Ich tue das für mich«, den Menschen häufig nutzen, um zu rechtfertigen, wie viel Aufwand sie betreiben, um schön zu sein, kann ich nicht mehr unterschreiben.”
Endlich kann man auch äußerlich so schamlos abranzen, wie man es geistig und sprachlich schon lange tut. Auch das Schlechte hat seine guten Seiten.
https://sz-magazin.sueddeutsche.de/…/teresa-buecker…
Seit corona strebe ich auch nicht mehr nach Schönheit. Sämtliche Abendgarderobe, Pumps, Schminke, Schmuck – verstaubt. Stattdessen Outdoorklamotten und klobige Wanderstiefel.
“Die Verlorenen” – via Sartre bis Beckett. Rettungslos.
Maria Mona
Ich fühle mich auch ganz schuldig….
Bald kommt: “Wenn andere schlauer sind, fühle ich mich ausgegrenzt und dumm”
Was für ein Sprachgewölle. “Die Autorin und Beraterin Laura Gehlhaar, die sich in einem Rollstuhl fortbewegt”. Damit soll wohl vermieden werden, sie körperlich behindert zu nennen, aber es klingt, als wär es ihr Hobby, sich in einem Rollstuhl fortzubewegen. Schlimm auch die Begeisterung, daß man sich seit der Pandemie kaum noch schön machen muß, um vor die Tür zu gehen. Schade, daß ich den Text jetzt erst gefunden habe, den hätte ich in einem Artikel verarbeiten können, der gerade fertig wurde.
Antworten –
OPFER SEIN IST KLASSE ! Früher phallisch-männlicher Heroismus, jetzt passiver Heroimus, sozusagen umgekehrt. Aber nur die andere Seite ein und derselben Medaille.
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