MESOPOTAMIA NEWS : BISLANG KONNTE MAN DIXIELAND VON ZWÖLFTON-MUSIK PER GEHÖR EINIGERMASSEN UNTERSCHEIDEN – ABER NUN MUSS DER WEISSE KLANG“ AUS ALLEM RAUS UND DER SCHWARZE REIN !  AFRIKANER STECKEN IN HEGELS FALLE !

So:  MAX NYFFELER IM FEUILLETON DER FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG      – 26. März 2021

„Wie hört man Herkunft?“

Die Weltgesellschaft der Individualitäten reproduziert zumeist den Normalsound des Westens: Berlins Festival MaerzMusik bemüht sich redlich um den schwarzen Klang.

(….)  Inzwischen hat sich der Wind gedreht, und diejenigen, die bislang draußen gehalten wurden, drängen sich an die Schalthebel des Kultur- und Wissenschaftsbetriebs. Der globale Disput dreht sich um Begriffe wie Dekolonisierung und weiße Suprematie. Indem die MaerzMusik mit dem Thema „Black Music” die Hauptfront der gegenwärtigen Auseinandersetzungen ins Blickfeld rückte, importierte sie zugleich die amerikanische Problematik. „Schwarz” bezieht sich aus dieser Sicht auf die um Gleichberechtigung kämpfende schwarze Minderheit, und folgerichtig wurde aus der Perspektive der kritischen westlichen Intelligenz argumentiert. Die afrikanische Sichtweise blieb weitgehend ausgespart.

Zu den Ausnahmen zählte die in Berlin lebende Arlette-Louise Ndakoze,

die in ihrer Reflexion zum Begriff der Zeit einige zentrale Punkte einer afrikanischen Kunst- und Lebensauffassung ansprach: Zeit als Bewegung und Rhythmus, körperliche Welterfahrung, der Vorrang des Herzens vor dem Gehirn, des Hörens vor dem Sehen. Sie stand auf verlorenem Posten, ihre Aussagen prallten am sichtlich überforderten Diskussionsleiter und den in ihrem akademischen Diskurs gefangenen Mitdiskutanten, ob weiß oder schwarz, ab. Mit ihrer Fixierung auf den Kampf um eine bessere Welt und damit einen linearen Zeitbegriff blieb auch die schwarze Diaspora in der Falle des Hegel’schen Fortschrittsdenkens stecken. Ständig dieser weiße Mann.

Gibt es in der zeitgenössischen Musik einen Black Sound? Konkrete Auskünfte erhofften sich die Paneldiskutanten vom Ensemble Modern, das unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni ein Konzert vom letzten November mit Werken der schwarzen Diaspora wiederholte. Das Resultat war ernüchternd.

(…..)  Max Nyffeler

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