MESOPOTAMIA NEWS : ZUKÜNFTIG MEHR ZENSUR VON BILDERN WIE TEXTEN = POSTMODERN GILT, NICHT DIE TATSACHE DES MORDENS IST UNERTRÄGLICH – SONDERN EIN BILD DAVON: Schein wird Wirklichkeit – Wirklichkeit wird Schein!
Österreichs GRÜNE verlangen rechtliche Festlegung von „Qualitätskriterien“ für Berichterstattung
Anzeigenboykott nach Terrorvideos – Von Andreas Mihm, Wien FAZ 06.11.2020 – Terroristen beim Schießen zu zeigen, das war zu viel:
Empört wird in Österreich auf die Verbreitung von Videos vom Terroranschlag durch Boulevardmedien reagiert, obwohl die Polizei gebeten hatte, solche nicht zu posten. Der Presserat erhielt Hunderte Beschwerden, Politiker verlangen eine Neuordnung der diese Unternehmer bevorzugenden Presseförderung. Die Wirtschaft reagiert mit Anzeigenstornierungen.
In Österreich liefen die verstörenden Bilder auf Privatsendern wie „oe24tv“ und „krone.at“, in Deutschland bei „bild.de“.
Verfahren entscheidet sich im Dezember
Die zu Rewe gehörende Einzelhandelskette Billa twitterte, keine weiteren Anzeigen mehr in den „Österreich“-Medien der Fellner-Gruppe zu schalten: „Wir unterstützen dieses Vorgehen in keiner Weise, der Stopp unserer Werbeschaltungen auf diesem Medium ist bereits veranlasst.“
Und Billa ist nicht die einzige Rewe-Marke. Der Stopp gelte auch für die Marken Bipa, Merkur, Penny, Ja! und Natürlich, hieß es bald. Auf „krone.at“ habe man einen Stopp von Werbeschaltungen veranlasst.
Auch die Stadt Wien denkt nun über einen Boykott von Inseraten nach. Man werde prüfen, welche Anmerkungen der Presserat dazu mache, sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Der Presserat berichtete am Donnerstag mehr als 1500 eingegangene Beschwerden gegen „oe24.tv“ und „krone.at“.
Ob ein Verfahren eröffnet werde, entscheide sich Mitte Dezember. Falls ja, könne man im Januar mit einem Ergebnis rechnen, sagte ein Sprecher. Die Entscheidungen des Rates haben allerdings, wie in Deutschland, eher appellativen und mahnenden Charakter.
Die österreichische Kommunikationsbehörde Komm-Austria, die auch für Videoangebote im Internet zuständig ist, hat indessen rechtliche Prüfungen eingeleitet. „Man schaue sich „einzelne Fälle der Berichterstattung über das Attentat amtswegig an“, sagte ein Sprecher. „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner verteidigte die Berichterstattung seines Senders gegenüber der „Austria Presse Agentur“ (APA). Es hab sich um die „ganz normale Dokumentation eines Terroranschlags“ gehandelt. Die Aufregung sei „völlig überzogen“. Immerhin seien die Videos auf der ganzen Welt zu sehen gewesen. „Wir haben nichts anderes gemacht, als internationale TV-Stationen wie CNN, Fox News oder das israelische Fernsehen.“ Auch sei der Persönlichkeitsschutz gewahrt worden, da die Gesichter nicht erkennbar gewesen seien. Die Videos hätten „primär den Schützen“ gezeigt, „wie der um sich feuert“ – Opfer seien unkenntlich gemacht worden.
Finanzielle Konsequenzen?
Politiker der oppositionellen Sozialdemokraten (SPÖ) und Liberalen (Neos) sowie der mit Bundeskanzler Sebastian Kurs (ÖVP) regierenden Grünen verlangten eine Neuordnung der staatlichen Medienförderung. Da die – wegen Corona in diesem Jahr deutlich aufgestockte – öffentliche Millionenförderung vor allem nach der Höhe der Auflage ihrer teils gratis verteilten Zeitungen ausgezahlt wird, profitieren davon die nun wegen ihrer Terrorberichte kritisierten Unternehmen Fellners und der „Krone“. „Fehlverhalten muss finanzielle Konsequenzen haben“, sagte der SPÖ-Medienfachmann Thomas Drozda. Die Förderung solle nach Qualitätskriterien ausgerichtet werde.
Die medienpolitische Sprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, sagte, das spiele bei den Beratungen über die zusätzlich geplante Digitalförderung eine Rolle. Auch für Anzeigenschaltungen der Bundesregierung, die wegen der Corona-Pandemie stark zugenommen haben, wollten die Grünen Qualitätskriterien definieren. Das sei aber beim konservativen Regierungspartner ÖVP, dem eine Nähe zu den Boulevardmedien nachgesagt wird, „nicht leicht durchzukriegen“.