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Windkraft:Niederlande stoppen Windräder zum Schutz von Zugvögeln
Für vier Stunden standen zwei niederländische Windparks auf See still – zum Schutz von Zugvögeln. “Das ist eine internationale Premiere”, sagte der Energieminister. Mai 2023, 10:05 Uhr: ZEIT ONLINE,
Offshore-Windmühlenpark Egmond aan Zee vor der Nordseeküste in den Niederlanden © Sijmen Hendriks/imago images
Die Niederlande haben erstmals Windräder in ihren Windparks vor der Küste vorübergehend angehalten, um Millionen Zugvögel zu schützen. Die Offshore-Windkraftanlagen in Borssele und Egmond aan Zee wurden am Samstag für vier Stunden abgeschaltet, da ein massiver Vogelzug über der Nordsee vorhergesagt worden sei, teilte die Regierung mit.
“Das ist eine internationale Premiere”, sagte der niederländische Energieminister Rob Jetten. Nirgendwo sonst auf der Welt würden Windparks im Meer zum Schutz von Vögeln abgeschaltet. Die Regierung wolle die Auswirkungen von Windparks auf die Natur so gering wie möglich halten.
Nach der nun laufenden Pilotphase sollen die Windparks voraussichtlich ab Herbst häufiger abgeschaltet werden. Um den Vögeln einen sicheren Durchzug zu ermöglichen, sollen die Windparkbesitzer die Geschwindigkeit der Windturbinen während der vorhergesagten nächtlichen Zugzeit auf maximal zwei Umdrehungen pro Minute reduzieren.
Deutschland will Offshore-Windkraft stark ausbauen
Ende 2022 hatte ein Doktorand der Universität Amsterdam ein Modell präsentiert, das unter anderem auf Basis von Wetterdaten den Vogelzug zwei Tage im Voraus vorhersagt. Das soll dem Netzbetreiber Tennet Zeit geben, die Stabilität des Hochspannungsnetzes zu gewährleisten und die Abschaltung der Turbinen einzuleiten.
Vogelschutzexperte Tim van Oijen sagte laut Regierungsmitteilung: “Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, ziehen in manchen Nächten Millionen von Vögeln über die Nordsee.” Wegen der zunehmenden Zahl von Windparks dort sei es äußerst wichtig, dass dieser Ausbau minimale Auswirkungen auf das Ökosystem der Nordsee habe.
Auch in Deutschland stellt der geplante starke Ausbau der Windenergie auf Nord- und Ostsee nach Ansicht von Biologen eine zunehmende Gefahr für Zugvögel dar. Vor den deutschen Küsten stehen derzeit 22 Windparks in der Nord- und drei in der Ostsee mit einer Gesamtleistung von 8,1 Gigawatt. Bis 2030 sollen es 30 Gigawatt sein, bis 2045 mindestens 70 Gigawatt.