THEO VAN GOGH WATCH: DIE WOHL GRÖSSTE GELDABSCHÖPFUNG DER HUMAN-GESCHICHTE
Inflation : Merz fürchtet beachtliche Geldentwertung in 2022
Der CDU-Politiker und Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz fordert von der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank Maßnahmen gegen die Inflation. Ein Kritiker dagegen betont die Unabhängigkeit der EZB. FAZ 18-1-2022
Der designierte CDU-Vorsitzende Friedrich Merz sieht die aktuell hohe Inflationsrate als längerfristiges Phänomen an und fordert eine Antwort der Europäischen Zentralbank (EZB) darauf. „Ich kann immer nur wieder an die EZB appellieren, ihre Auffassung zu korrigieren, dass diese Inflationsrate nur von vorübergehender Dauer ist“, sagte Merz in Berlin. „Die EZB muss das Problem als nicht nur vorübergehend anerkennen, daraus dann die ersten Konsequenzen im Hinblick auf die Anleihekaufprogramme ziehen und dann letztendlich auch Zinsschritte ankündigen, so wie die amerikanische Notenbank es getan hat.“
Schritte schon in der ersten Jahreshälfte
Spätestens Ende des ersten Halbjahres wäre der richtige Zeitpunkt dafür, „weil wir dann einen Indikator dafür haben, wie lange wir uns auf hohe Geldentwertungsraten einzustellen haben“, sagte Merz, der am kommenden Samstag zum Parteichef gewählt werden soll. Aus Äußerungen wie etwa von Isabel Schnabel aus dem EZB-Direktorium entnehme er, dass die EZB offenbar dabei ist, ihre Position zu überdenken.
„Die Anzeichen dafür, dass wir auch in diesem Jahr 2022 eine beachtliche Geldentwertung haben werden, nehmen jedenfalls täglich zu“, sagte Merz. Deswegen reagierten die Amerikaner und fast alle Länder in Europa, die nicht dem Euro-Raum angehörten. „Nur die EZB reagiert nicht. Ich erwarte, dass sich das in diesem Jahr ändert.“
Im Euro-Raum stieg die Inflationsrate Ende vergangenen Jahres auf 5,0 Prozent – den höchsten Wert seit Einführung der Gemeinschaftswährung.
In Deutschland lag die Preissteigerungsrate nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts vom Jahresanfang im Dezember bei 5,3 und im Jahresdurchschnitt 2021 bei 3,1 Prozent. Ein wesentlicher Treiber der Inflation sind die stark gestiegenen Energiepreise.
Bayaz betont Unabhängigkeit der EZB
In der Debatte um Maßnahmen gegen die aktuell hohe Inflationsrate hat Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz den designierten CDU-Chef Friedrich Merz vor Druck auf die Europäischen Zentralbank gewarnt. „Friedrich Merz sollte wissen, dass die EZB – aus gutem Grund – unabhängig agiert“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart.
Bayaz ergänzte, er nehme durchaus wahr, „dass auch die EZB die mittelfristige Preisentwicklung umtreibt“. „Wir sollten aber nicht so tun, als könne die Zentralbank kurzfristig etwas gegen steigende Energiepreise tun“. Aus seiner Sicht ist jetzt die Politik gefragt, „zum Beispiel durch Entlastung kleinerer Einkommen“.