THEO VAN GOGH POSITIVE THINKING! : WIR WERDEN DIE SCHLEPPERKRIMINALITÄT POSITV BEKÄMPFEN – INDEM WIR SIE FÖRDERN !
FOCUS online exklusiv – Die Schlepper-Akten: Helfer-Kapitän spricht ganz offen über illegale Flüchtlingsrettungen
Ein Boot mit Flüchtlingen wird in internationale Gewässer gebracht, hinten beobachten es Schlepper und die libysche Küstenwache – FOCUS-online-Reporter Axel Spilcker Montag, 02.10.2023, 07:11
Es sind brisante Akten, die FOCUS online vorliegen: Anhand der italienischen Dokumente wird offensichtlich, wie Schlepper und Flüchtlingshelfer im Mittelmeer zusammenarbeiten und sich keiner Schuld bewusst sind.
An Bord der Vos Hestia herrscht helle Aufregung. Endlich kann sich die Besatzung auf dem Seenotrettungsschiff der Hilfsorganisation „Save the children“ wieder einmal beweisen. An jenem 4. Mai 2017 steuert der Kapitän den libyschen Küstenstreifen südöstlich der Hafenstadt Sabratha an. Dort, so haben die Flüchtlingsretter erfahren, sollen sich tags darauf Boote vollbesetzt mit Migranten auf den Weg machen. Zwar weiß die Seenotrettungsstelle I.R.M.C.C. der italienischen Küstenwache in Rom nichts von einem Seenotrettungsfall, doch den Helfern der Vos Hestia ist es gleich. Man verfügt über eigene Quellen und kennt sogar die Koordinaten eines „Treffpunkts“ mit den Flüchtlingsbooten. Und zwar kurz vor der Zwölf-Seemeilen-Grenze zu den libyschen Hoheitsgewässern.
Kapitän spricht und wird abgehört
Nicht ahnend, dass die Justiz im westsizilianischen Trapani gegen Akteure der Hilfsorganisation nebst Schiffscrew ermittelt und die Kommunikation überwacht, redet der Kapitän offen über sein Vorhaben. „… am Ende des Lichts … da ist … sie gehen“. Sein Gesprächspartner ergänzt: „Sie verlassen Sabratha.“ Der Kapitän: „Also morgen früh um 6.00 Uhr“, werde man die Menschen in Empfang nehmen. „Von Sabratha …… wir fahren morgen los“, so sein Ziel. Los nach Italien, um dort die aufgenommenen Migranten abzuliefern. Von einer Seenotrettung Schiffbrüchiger war längst keine Rede mehr. Das Unternehmen erinnerte eher an eine Art Fährendienst übers Mittelmeer.
Schlepper und Helfer organisieren auf hoher See die Übergabe von Flüchtlingen
Diesen Verdacht legt zumindest ein gut 650-seitiger Bericht der Staatsanwaltschaft Trapani aus dem Jahr 2020 nahe, der FOCUS online vorliegt. Demnach zielten die Angeklagten „auf die Erreichung nützlicher und wirtschaftlicher Zwecke ab, getarnt als humanitäre Zwecke oder als Wunsch, Migrationskorridore zu schaffen“. Im vergangenen Jahr wurden 21 Personen der drei Nichtregierungsorganisationen (NGO) „Jugend Rettet“ nebst Verantwortlichen des Hilfsschiffs „Iuventa“, von „Save the children“ mit der „Vos Hestia“ und von „Ärzte ohne Grenzen“ mit der „Vos Prudence“ unter anderem wegen der Beihilfe zur illegalen Einwanderung angeklagt. Der Strafprozess steht noch aus. Alle drei Hilfswerke bestreiten die Vorwürfe. Bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Dabei listen die Ermittler zahlreiche Fälle auf, in denen die angeklagten Flüchtlingsretter mit libyschen Schleppern zusammengearbeitet haben sollen. „Die zwischen 2016 und 2017 von NGOs durchgeführten Patrouillenaktivitäten in den Gewässern direkt vor den libyschen Hoheitsgewässern sind zu einem Anziehungsfaktor für Migranten geworden“, konstatiert die Staatsanwaltschaft Trapani.
Die Schiffe der Hilfswerke nahmen die Migranten auf „und brachten sie anschließend nach Italien. Im Anschluss an die durchgeführten Aktivitäten wurden den Ermittlungen zufolge oft verlogene Urkunden und Dokumente verfasst, in denen die Sachverhalte, Umstände und damit zusammenhängenden Abläufe als Seenotrettungen beschrieben wurden. Dadurch seien „institutionelle Stellen in die Irre geführt, denen so vorgegaukelt wurde, dass es sich bei allen angeführten Sachverhalten um einfache Seenotrettungen handele und nicht um anders einzuordnende Sachverhalte“.
Razzia 2017 bringt umfangreiches Material hervor
Die Anschuldigungen stützen sich auf umfangreiches kompromittierendes Video- und Fotomaterial, das während einer Razzia bereits Ende 2017 auf den Schiffen sichergestellt wurde. Ferner wurden die Telefone der Tatverdächtigen angezapft, die Kommandobrücken verwanzt und ein verdeckter Ermittler eingesetzt.
FOCUS online hatte bereits vor Tagen gemeinsam mit dem Schweizer Journalisten Kurt Pelda von „CH Media“ über die schwerwiegende Verdachtslage berichtet. Laut den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Trapani kreuzten die Hilfsschiffe systematisch vor der libyschen Küste. Schlepper brachten die Flüchtlingsboote nur einige Seemeilen vor die Küste, konferierten mit den Rettungsschiffen über den Ablauf der Übernahme der Migranten und fuhren wieder zurück, um den nächsten Transport zu organisieren. Dabei sollen die Hilfsschiffe mit Schleuser-Syndikaten wie dem al-Dabbashi-Clan kooperiert haben. Das Familiennetzwerk finanzierte mit den Einkünften aus dem Menschenhandel eine eigene Miliz, die in den libyschen
Kriegswirren nach dem Ende der Gaddafi-Diktatur mitmischte. Auch unterhielt der Clan enge Beziehungen zu den Terror-Garden „Islamischer Staat“ im Irak und Libyen.
Die Geschehnisse aus dem Jahr 2017 sind aktueller denn je. Die Zuwanderungswelle über das Mittelmeer nimmt 2023 wieder stark zu. So sind bereits gut 130.000 Bootsflüchtlinge in Italien gelandet. Die Bilder der überströmten italienischen Insel Lampedusa sprechen für sich. Vor dem Hintergrund hat die ultrarechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sich erst kürzlich bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beschwert, dass die Bundesregierung „Mittel für Nichtregierungsorganisationen bereitstellen“ will, „die an der Aufnahme von irregulären Migranten auf italienischem Gebiet und in der Rettung im Mittelmeer arbeiten. Acht Millionen Euro sollen bis 2026 fließen.
Auch deutsche NGOs arbeiten offenbar mit Schleppern
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Trapani hingegen dokumentieren, wie NGOs auch aus Deutschland mit Schlepperorganisationen offenbar Hand in Hand arbeiten.
Es ist der 5. Mai 2017 gegen 5.30 Uhr morgens. Die „Vos Hestia“ des Hilfswerks „Save the children“ hat ihren mutmaßlichen Treffpunkt auf der Route der Flüchtlingsboote erreicht. Ein Pulk nähert sich dem Schiff. Die See ist ruhig. Gefahrenmomente sind nicht ersichtlich. Ein Stelldichein mit der libyschen Küstenwache, Schleuser umkreisen die vollgestopften Migranten-Boote. Offenbar amüsiert verfolgen sie, wie die Helfer der „Vos Hestia“ 548 Flüchtlinge übernehmen. Danach bauen die Schlepper die Motoren aus, ziehen die Schlauchboote zurück zur Küste und laden sie wieder voll. Die Übergabe-Aktion verläuft routinemäßig