THEO VAN GOGH NEUSTES: JOE BIDEN STIFTER DES GRÖSSTEN UMWELTVERBRECHENS DIESER ZEIT / DAS WILLOW PROJEKT IN ALASKA
Ärger über Willow-Projekt: Die Wut an Joe Bidens Ölplänen geht viral
In der Arktis Alaskas soll ein Konzern mit dem Einverständnis der amerikanischen Regierung schon bald nach Öl bohren. In sozialen Netzwerken wird die Kritik an den Plänen millionenfach geklickt. Empört sind viele junge Nutzer auch über den Präsidenten selbst. – Julius Baumeister 23.03.2023, 14.14 Uhr NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Nicht nur im Internet gibt es Protest an den Plänen Bidens: Demonstrieren junge Menschen vor dem Weissen Haus.
Kurz schien es, als sei die Wut gehört worden: Das Willow-Projekt der amerikanischen Regierung sei nun doch gestoppt worden, hiess es in verschiedenen Beiträgen auf der Plattform Tiktok. Es dauerte wenige Minuten, ehe Kritiker des Ölförderprogramms siegesgewiss in Videos posierten. Doch die Meldung, die in den vergangenen Tagen kurzzeitig kursierte, stimmte nicht. Die Pläne über die Förderung von Öl in der Arktis bleiben. Und mit ihnen der Protest einer jungen Generation.
Seit die Regierung Joe Bidens vergangene Woche das Ölförderprojekt im Gliedstaat Alaska genehmigt hat, steigt die Anzahl an Videos auf Tiktok und Instagram weiter rasant. In ihnen wüten junge Menschen über die Folgen des Willow-Projekts in der Arktis, die globale Erderwärmung und gegen den Präsidenten.
Beiträge mit dem Hashtag «StopWillow» sind über 150 Millionen Mal geklickt und verbreitet worden. Täglich kommen neue Klicks hinzu. Ihre Empörung über die Pläne der Biden-Regierung brachten viele Nutzer auch in einer Onlinepetition zum Ausdruck. Diese unterzeichneten über 4,7 Millionen Menschen.
«Naturkatastrophen sind vorprogrammiert»
«Es wird die Welt irreparablen Schaden kosten. Klimaerwärmung? Nicht zu stoppen. Tierarten werden in einer unkontrollierbaren Geschwindigkeit ausgelöscht», heisst es in einem Video, das über 17 Millionen Mal angesehen wurde.
In einem anderen Clip spricht eine junge Deutsche davon, dass weitere Naturkatastrophen durch das Willow-Projekt nun vorprogrammiert seien. Die Folgen seien überall und weltweit spürbar.
Besonders wütend zeigen sich viele Nutzer in Videos und Kommentaren beim Blick auf die Zahlen des Förderprogramms: Im Norden Alaskas wird der Konzern ConocoPhillips täglich rund 180 000 Fass Öl fördern. Über die geplante Laufzeit von 30 Jahren sind das insgesamt 600 Millionen Fass, fast 100 Milliarden Liter Öl. Der Konzern nutzt dafür fast 200 Bohrlöcher.
«Ein Schlag ins Gesicht für alle jungen Menschen»
Nach Berechnungen der amerikanischen Regierung dürften durch das Verbrennen des geförderten Öls rund 280 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt werden. Das entspricht rund 9,2 Tonnen jährlich – so viel CO2 wie von rund zwei Millionen Autos.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace und andere Verbände, welche die Klimapolitik Bidens jetzt als gescheitert sehen, wollen gegen die Realisierung des Willow-Projekts klagen. Die Pläne der amerikanischen Regierung seien «eine historische Klimasünde und ein Schlag ins Gesicht für alle jungen Menschen und für zukünftige Generationen».
Biden selbst schloss die Förderung von Öl im Wahlkampf aus
Die Empörung auf Tiktok über die Pläne der Regierung ist auch deshalb gross, weil Biden im Wahlkampf selbst noch weitere Förderung von Öl und Gas in den USA ausgeschlossen hatte. Für die Ölindustrie werde es keine Möglichkeiten zum Bohren nach Öl mehr geben, hatte Biden 2020 gesagt. Und nun also doch – die Enttäuschung über den Wortbruch Bidens ist in vielen Videos besonders gross.
Die Regierung Bidens hat die Genehmigung des Projekts gewissermassen geerbt. Ursprünglich war der Abbau des Öls bereits vor Jahren vom Vorgänger Donald Trump bewilligt worden. Eine erste Version des geplanten Förderprogramms stoppte ein Bundesrichter aufgrund von Umweltaspekten.
Nun winkte die Regierung Biden das Vorhaben doch durch. Wenn auch deutlich abgespeckter als zunächst vorgesehen. Statt auf fünf soll ConocoPhillips auf drei Arealen nach Öl bohren dürfen. Zusätzlich begrenzte die amerikanische Regierung die Infrastruktur, die der Konzern ursprünglich aufbauen wollte. Am Bau von Strassen und Brücken, die den Lebensraum von Tieren durchkreuzen, gibt es besonders viel Kritik.
Warum die US-Regierung doch nach Öl bohren lässt
Während die Regierung sich gegen die Kritik von Aktivisten, Umweltverbänden und Tiktok-Nutzern wendet, verweist sie auf die bestehenden Verträge mit dem Konzern ConocoPhillips. Dieser habe für die betroffenen Gebiete der Arktis gültige Pachtverträge. Ein Vertragsbruch könnte die Regierung einen jahrelangen Rechtsstreit und Strafzahlungen kosten.
Doch für die USA ist das Willow-Projekt auch die Gelegenheit, nationale Energiequellen auszubauen. Vom Energieimport könnte sich die Regierung angesichts des Ukraine-Kriegs und eines weltweiten Ringens um Energieknappheit unabhängiger machen. Die Kritik am Vorhaben Bidens dürfte allerdings bleiben.