THEO VAN GOGH KOLUMNE VON JAN FLEISCHHAUER ZUR SACHE SÜDDEUTSCHE ZEITUNG – FOCUS  2-9-23

Ich habe im Januar 1989 beim “Spiegel” angefangen, also etwa zu der Zeit, als sich Hubert Aiwanger auf sein Abitur vorbereitete. Ich bin seit 35 Jahren im politischen Beobachtungsgeschäft, aber ich kann mich an keinen Politskandal erinnern, bei dem die Zeugen, die man präsentierte, um seine Anschuldigungen zu untermauern, nahezu ausnahmslos anonym waren.

Der “Spiegel” hat in seiner neuesten Ausgabe sogar eine anonyme eidesstattliche Versicherung aufgefahren, um seine Behauptung, Aiwanger habe sich in seiner Schulzeit auch rassistisch geäußert, glaubhafter erscheinen zu lassen. Keine Ahnung, was Medienrechtler dazu sagen. So wie ich es sehe, lässt sich mit diesem Kniff nahezu alles behaupten. Zieht der Beschuldigte vor Gericht, um Gegendarstellung oder Widerruf zu erstreiten, beruft sich die Zeitung einfach auf den Informantenschutz.

Wenn ich schreiben würde: “Schwere Anschuldigungen gegen die ‘Süddeutsche Zeitung’: Die Zeitung soll im Rahmen ihrer Berichterstattung über Hubert Aiwanger eine Reihe von Zeugenaussagen erfunden haben. ‘Die Mitschüler, die anonym gegen Aiwanger Zitate liefern, gibt es alle nur im Kopf der Redakteure’, sagt ein Redaktionsmitglied, das anonym bleiben will” – wenn ich das also schreiben würde, wie will die “Süddeutsche” beweisen, dass ich mir das ausgedacht habe?

Es lohnt, denke ich, noch einmal zum Anfang der Affäre zurückzukehren, zu dem Artikel, mit dem alles begann. Alle Fehler, die man seitdem in der Berichterstattung beobachten kann, sind hier schon gemacht. Auch Hubert Aiwanger macht Fehler und zwar zuhauf. Seine ganze Verteidigung wirkt konfus und widersprüchlich. Wäre ich sein Berater, hätte ich ihn beizeiten zur Seite genommen und gesagt: “Nun sag halt, wie’s war. Die meisten Leute wissen doch, welchen Unsinn man als 16jähriger treibt.”

 

Wenn viele Menschen in Bayern dennoch zu Aiwanger halten, dann, weil sie den Eindruck haben, dass mit ihm unfair umgegangen wird. Und damit sind wir wieder bei den Methoden, die angewandt werden, und damit bei der “SZ”. Sollten die Freien Wähler bei der bayerischen Landtagswahl mit einem respektablen Ergebnis durchs Rennen gehen, dann sitzen die Verantwortlichen auch in der Hultschiner Straße in München, dem Sitz dieser großen und mächtigen Redaktion.

 

Herzliche Grüße zum Wochenende

Ihr

Jan Fleischhauer