THEO VAN GOGH AUFKLÄRUNG:WIRD SPRIT NUN TEURER & GAS–ODER NICHT?

Plan der EU-Staaten : Der Ölpreisdeckel – ein Experiment mit vielen Unbekannten

FAZ 3.12.2022 – Wie wurde die Preisgrenze jetzt festgesetzt?

Es war ein äußerst zäher Prozess. Östliche EU-Länder wie Polen und Estland wollten eine möglichst niedrige Grenze, um die russischen Einnahmen so weit wie möglich zu begrenzen. Andere fürchteten, dass Russland die Produktion herunterfährt, wenn der Preis zu niedrig angesetzt wird. Die nun vereinbarten 60 Dollar je Barrel liegen deutlich unter einem jüngsten Marktpreis von um die 69 Dollar. Um auf Marktentwicklungen reagieren zu können, sehen die Pläne vor, die Preisobergrenze etwa alle zwei Monate zu prüfen. Damit soll auch sichergestellt werden, dass sie stets um mindestens 5 Prozent unter einem von der Internationalen Energieagentur ermittelten Durchschnittspreis liegt.

Wird die Rechnung aufgehen?

Das ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Die Auswirkungen hängen auch von der Reaktion Russlands und anderer großer Länder ab. Schon die die Aussicht auf eine Preisobergrenze setzte die Rohölpreise unter Druck. Doch sagt Russland, es wolle kein Rohöl an Länder verkaufen, die sich an den Preisdeckel halten. Hielte Moskau das durch, könnte es zu einer Verknappung und damit steigenden Preisen führen. Es kommt deshalb stark darauf an, wie sich etwa China, Indien oder Ägypten verhalten, die derzeit einen großen Teil des russischen Erdöls kaufen.

Wie könnte Russland dem Preisdeckel begegnen?

Edoardo Campanella von der italienischen Bank Unicredit sieht einige Möglichkeiten. „Moskau könnte entweder reagieren, indem es seine Ölexporte vollständig vom Markt nimmt, oder indem es eine Untergrenze für den Preis seines Rohöls festlegt und Exporte zu einem Preis unterhalb dieser Schwelle verbietet.“ Darüber hinaus könnte Moskau versuchen, den Preisdeckel etwa mit einer Verschleierung des Seetransports zu umgehen. „Russland könnte auch Vergeltung üben, indem es seinen Einfluss innerhalb der Opec+ nutzt, um auf weitere Förderkürzungen zu drängen und so die globale Energiekrise zu verschärfen.“

Wird Heizöl in Deutschland jetzt billiger?

Auch das ist schwer zu sagen. „Inwieweit es zu indirekten Effekten auf dem europäischen Rohölimportmarkt kommt, hängt von mehreren Faktoren ab“, erklärt der Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Dazu gehören die Höhe des Preisdeckels, die russische Reaktion sowie die Frage, ob es Kontrollen der genutzten Tankerflotte gebe. „Diese Faktoren könnten Einfluss auf dem Weltmarktpreise für Rohöl haben.“ Grundsätzlich entwickeln sich der Heizölpreis und der internationale Preis für Rohöl in dieselbe Richtung, wenn auch mit etwas Zeitverzug. Allerdings ist zu beachten, dass auf den Heizölpreis neben dem Erdölpreis auch andere Faktoren einwirken. Dazu gehören öffentliche Abgaben wie die Mehrwertsteuer oder die Abgabe auf Kohlendioxid (CO2) aber auch die Transport- und Lagerhaltungskosten der Unternehmen.

Wirkt sich der Ölpreisdeckel auf den Spritpreis aus?

Der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer erwartet keine gravierende Auswirkung des Ölpreisdeckels auf die Spritpreise. „Letztlich kommt es darauf an, ob der Deckel die Ölpreise drückt oder im Gegenteil zum Steigen bringt“, sagt er. In beiden Fällen würden aber andere Faktoren wie die Entwicklung der globalen Konjunktur oder das Embargo gegen russisches Öl wohl stärker auf den Ölpreis wirken. „Die Entwicklung beim Ölpreis sollte sich auch an den Zapfsäulen widerspiegeln. Zuletzt haben die Spritpreise wieder auf den Ölpreis reagiert. Ganz grundsätzlich sind sie aber immer noch zu hoch – insbesondere bei Diesel.“