MESOPOTMIA NEWS : RÜCKTRITT SPAHN – MERKEL – VON DER LEYHEN !? – TAUSENDE TOTE DURCH VERURSACHTEN IMPFSTOFF-MANGEL

DEUTSCHLAND – DEBATTE ÜBER IMPFSTOFF-MANGEL – „Grobes Versagen der Verantwortlichen“

Von Thorsten Jungholt, Claudia Kade 2 Jan 2021 – DIE WELT – Harte Kritik aus der Leopoldina: Neurologin Frauke Zipp wirft der Regierung vor, zu wenig Impfdosen beschafft zu haben und Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Die Opposition erinnert die Kanzlerin und Gesundheitsminister Spahn an ihren Eid, die Bevölkerung zu schützen.

 


Seit wenigen Tagen habe die Hoffnung Gesichter, sagte Angela Merkel (CDU) in ihrer Neujahrsansprache: „Es sind die Gesichter der ersten Geimpften.“ Tagtäglich würden es mehr, schrittweise kämen zunächst die priorisierten Alters- und Berufsgruppen an die Reihe – „und dann alle, die es möchten. Auch ich werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin“.
Wenn sie an der Reihe ist: Diese Worte der Bundeskanzlerin sind ein Aufruf zur Geduld. Denn tatsächlich kommt die von der Regierung nach Weihnachten gestartete Impfkampagne nur schleppend in Gang. Der Grund ist ein Mangel an Vakzinen.
Während sich beispielsweise die Vereinigten Staaten bereits im Juli bis zu 600 Millionen Dosen des von Biontech aus Deutschland und Pfizer aus den USA hergestellten Impfstoffs sicherten, hat die Europäische Union erst im November bestellt – und dann nur 300 Millionen Dosen, die nun unter den 27 Mitgliedstaaten aufgeteilt werden.
Die EU folgte der Strategie, ihre Bestellungen auf mehrere Firmen zu verteilen, die angekündigt hatten, einen Impfstoff entwickeln zu wollen. Nun aber können die meisten dieser Firmen noch nicht liefern – anders als Biontech und Pfizer. Und das führt zu dem Phänomen, dass der aus der Forschungsarbeit des deutschen Unternehmens Biontech hervorgegangene Impfstoff in Deutschland derzeit ein extrem rares Gut ist.
„Ich halte die derzeitige Situation für grobes Versagen der Verantwortlichen“, sagte Frauke Zipp WELT. „Vor Kurzem gab es noch offizielle Totengedenken, jetzt zählt offenbar nicht mehr jeder Tag, an dem Menschenleben gerettet werden könnten. Jetzt wird Geduld eingefordert.“
Zipp ist Ärztin, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz sowie Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die die Bundesregierung berät. Im Rat für Technologie versorgt die Professorin auch die rheinland-pfälzische Landesregierung mit medizinischer Expertise.
Hatte Biontech mehr Impfstoff angeboten?
Biontech hat seinen Firmensitz ebenfalls in Mainz, Unternehmenschef Ugur Sahin und die auf Neuroimmunologie spezialisierte Forscherin Zipp kennen sich persönlich. „Warum hat man im Sommer nicht viel mehr Impfstoff auf Risiko bestellt?“, fragt sie nun. „Es gab diese Angebote, wir hätten sie jetzt zur Verfügung“. Nach ihrem Kenntnisstand habe „Biontech im Spätsommer wesentlich mehr Impfdosen angeboten“. Und mit den Behring-Hallen in Marburg habe das Unternehmen auch bereits im September zusätzliche Produktionsstätten gekauft.
Zipps Rechnung: „Wenn man bei den damals schon Erfolg versprechenden Unternehmen wie Biontech, Curevac, Moderna, Astra Zeneca und einem weiteren schon im Sommer für jeweils 60 Prozent der Bevölkerung – für Deutschland also etwa jeweils 100 Millionen Dosen zu je rund 20 Euro – bestellt hätte, dann wären das für Deutschland gerechnet Kosten von rund zehn Milliarden Euro gewesen.“ Viele der Impfstoffe seien sogar deutlich billiger: „Das ist nichts im Vergleich zu den Summen, die man gerade zur Stützung der Wirtschaft aufwenden muss. Ganz zu schweigen von den Menschenleben, die durch eine frühe und zügige Impfung zu retten wären.“
Andere Länder wie die USA, Großbritannien, Israel und Kanada seien so verfahren, so die Professorin – und könnten nun wohl schon im Frühjahr einen großen Teil ihrer Bevölkerung geimpft haben. Auch in Deutschland könne bei genügend verfügbarem Impfstoff eine Durchimpfung von 60 Prozent der Bevölkerung in zwei bis drei Monaten gelingen, glaubt Zipp: „Als langjährig molekularbiologisch forschende Medizinerin kann ich auch sagen, dass eine Impfstoffproduktion – besonders der RNA-Impfstoffe – in diesem Umfang für EU-Länder ebenso möglich gewesen wäre.“