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Google sperrt „Titanic“ : Du sollst nicht Gott lästern
- Von Michael Hanfeld FAZ -Aktualisiert am 19.02.2021 – Google hat die App des Satiremagazins „Titanic“ aus seinem Play Store verbannt. Warum? Der Digitalkonzern befand, drei Titelblätter seien unanständig. Das ist keine Satire.
Mit dem Play Store von Google ist nicht zu spaßen. Das musste jetzt das Satiremagazin „Titanic“ erfahren. Dessen App ist bei Google seit zwei Wochen gesperrt, weil dort drei Titelblätter als anstößig empfunden werden. Das Cover der Dezemberedition des vergangenen Jahres erachtet Google als „profanity“ (Gotteslästerung).
Zu sehen ist ein verzückt dreinblickender Papst Franziskus mit einem Kreuz im Allerwertesten, angeherrscht von einem erzürnten Jesus mit entblößtem Gemächt, der dem Pontifex „Denkst du wieder an ihn?“ zuruft. Gehalten ist das Bild im Stil der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“; die Anspielung auf deren Titelbild mit einem ähnlich entrückten Recep Tayyip Erdogan ist unverkennbar.
In Ungnade fielen bei Google auch zwei „Titanic“-Titel aus den Jahren 2018 („Deutschland im Groko-Glück“) und 2019 („So leiden Eure Lehrer!“), die Paare beim exaltierten Liebesspiel zeigen. Entweder die Titel flögen raus, bekam die „Titanic“- Redaktion zu hören, oder die App bleibe gesperrt. Abgelehnt wurde auch, wie der Chefredakteur Moritz Hürtgen im Gespräch sagt, eine Neuanmeldung der App „frei ab Achtzehn“.
„,Titanic‘ wird sich nicht selbst zensieren, um dem verkniffenen Humor von Monopolwichsern in San Fernando Valley, äh: Silicon Valley gerecht zu werden“, sagte Hürtgen (der Wortlaut ist auch nicht jugendfrei, aber wir sind hier ja nicht bei Google). Sollte Google die App der „Titanic“ nicht mitsamt aller Motive freischalten, werde man den Play Store dauerhaft verlassen. Auch ein weiterer Widerspruch gegen die Sperrung blieb vergebens. Wie der Digitalkonzern es mit der Satirefreiheit hält, haben wir dortselbst erfragt. Die Antwort ist, na ja, interpretationsfähig: „Wir überprüfen derzeit die ,Titanic‘-App. Wir bieten App-Entwicklern die Möglichkeit, Einspruch gegen die Durchsetzung der Richtlinien zu erheben, und stellen eine App gegebenenfalls wieder ein.“ Warten wir auf das „Gegebenenfalls“.