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Nachfolger Adornos : Lessenich neuer Direktor des Instituts für Sozialforschung
- Von Sascha Zoske FAZ – 01.04.2021-16:05
Traditionsreich: Das Institut für Sozialforschung wurde 1923 von dem Nationalökonomen Felix Weil gegründet. Es sollte sich zunächst mit dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung befassen. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno haben dort gewirkt. Jetzt hat das Frankfurter Institut für Sozialforschung einen neuen Leiter. Stephan Lessenich ist ein überzeugter Linker.
Der Münchner Soziologe Stephan Lessenich wird neuer Direktor des Instituts für Sozialforschung und Professor der Goethe-Universität. Er werde seinen Dienst am 1. Juli antreten, teilte die Universität am Donnerstag mit. Lessenich übernimmt die Leitung der traditionsreichen Forschungsstätte von Ferdinand Sutterlüty, der das Amt nach dem Ausscheiden von Axel Honneth zweieinhalb Jahre lang kommissarisch ausgeübt hatte. Frühere Direktoren des 1923 gegründeten Instituts waren unter anderen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.
Lessenich, Jahrgang 1965, hat in Marburg Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte studiert. 2014 wurde er als Nachfolger von Ulrich Beck auf den Lehrstuhl für Soziale Entwicklungen und Strukturen ans Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. An der Goethe-Universität erhält Lessenich eine Professur für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung.
Mehr Geld vom Land Hessen für Kooperations-Professur
Um die gleichzeitige Berufung auf den Lehrstuhl und an die Institutsspitze zu ermöglichen, hat das Land Hessen zusätzlich Geld bereitgestellt. Laut Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) wurde der Zuschuss für das Institut von gut 615.000 auf 870.000 Euro im Jahr erhöht. „Wie relevant die Arbeit des Instituts für Sozialforschung ist, war selten so offensichtlich wir zurzeit“, äußerte die Ministerin. „Wir brauchen sie, um die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.“
Lessenich sagte, er wolle das Institut als „lebendigen Ort des intellektuellen Austauschs weiterentwickeln“. Besonders am Herzen liege ihm die Internationalisierung: „Die Zukunft der kritischen Sozialforschung kann nicht ohne die Perspektive der globalisierten Welt gedacht werden.“ Auf Frankfurt freue er sich sehr; die Stadt stehe für eine „politisch-kulturell außerordentlich interessierte Öffentlichkeit, für eine liberale Diskussionskultur und intellektuelle Offenheit“.
Kämpfer gegen „Diskursverschiebung nach rechts“
Der künftige Institutsdirektor ist als Vertreter dezidiert linker Positionen bekannt. Er gehört zum Kuratorium des von der früheren hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti mitgegründeten „Institut Solidarische Moderne“ und ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der globalisierungskritischen Bewegung Attac. 2017 war er nach Angaben der Goethe-Uni Mitbegründer der Partei „mut“, mit der er der „Diskursverschiebung nach rechts“ im Gefolge des „langen Sommers der Migration“ etwas habe entgegensetzen wollen. Kürzlich schrieb er in einem Gastbeitrag für die „taz“ mit Blick auf die Corona-Krise: „Wo aber bleibt die linke Sozialbewegung, die statt des möglichst kompletten ,Lockdowns von unten‘ den möglichst weitreichenden Reichtumstransfer von oben fordert?“