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STREIT UM CECIL-RHODES-DENKMAL:Der Imperialist mit dem Rücken zur Wand
- EIN KOMMENTAR VON GINA THOMAS faz – 05.2021-08:50
Im Zickzackkurs: Um das Denkmal des Briten Cecil Rhodes an einem Oxforder College wird seit Jahren gestritten. Es müsse weg, sagen die einen, es solle bleiben, fordern die anderen. Nun ist eine Entscheidung gefallen.
Sechs Jahre sind vergangen, seitdem die Forderung laut wurde, das Denkmal des umstrittenen Imperialisten Cecil Rhodes von der denkmalgeschützten Fassade seines ehemaligen Colleges in Oxford zu entfernen. In der Zwischenzeit hat die „Black Lives Matter“-Bewegung den Bestrebungen der „Rhodes Must Fall“-Aktivisten frischen Rückenwind beschert.
Der die allgemeinen Unsicherheiten im Umgang mit dem Vermächtnis der Kolonialzeit spiegelnde Zickzackkurs, den Oriel College in der polarisierten Auseinandersetzung um seinem Spender gefahren ist, hat schon fast absurde Züge angenommen. Im Dezember 2015 wurden „substantielle Maßnahmen“ in Aussicht gestellt, ein offizieller Antrag zur Entfernung einer Plakette zu Rhodes’ Ehren angekündigt und in der komplizierten Frage der Statue ein „strukturierter Prozess des Zuhörens“ versprochen.
Einen Monat später zeigte sich Oriel weniger versöhnlich im Lichte von Drohungen potentieller Geldgeber, ihre Testamente zu ändern, wenn das College dem Druck der Aktivisten nachgebe. Die Statue und die Tafel würden bleiben, aber in einen klaren historischen Zusammenhang gestellt. Damit war die Frage wieder auf die lange Bank geschoben. Nach den „Black Lives Matter“-Protesten im vergangenen Jahre erklärte das College, „Rassismus und Diskriminierung“ jeder Art zu verabscheuen und an der öffentlichen Debatte über die Beziehung zwischen dem Studium der Geschichte, des öffentlichen Gedenkens, der sozialen Gerechtigkeit und der Bildungsgerechtigkeit teilnehmen zu wollen. Der Vorstand äußerte den „Wunsch“, die Statue und die Plakette zu entfernen, und setzte eine unabhängige Kommission ein, um Empfehlungen zum Umgang mit Rhodes und zur Verbesserung der Erfahrung von Schwarzen und ethnischen Minderheiten einzuholen.
Nun, da sich die Mehrheit der Kommissionsmitglieder in einem 144 Seiten umfassenden Bericht dem Wunsch des Colleges angeschlossen hat, die Statue zu versetzen, ist das College wieder davon abgerückt. Es verweist auf den finanziellen Aufwand und den ungewissen Ausgang eines sich womöglich über Jahre hinziehenden Verfahrens. Stattdessen will sich Oriel auf die anderen Empfehlungen der Kommission konzentrieren, die Beziehung zum Spender durch physische und virtuelle Präsentationen zu „kontextualisieren“ und auf mehr Gleichheit, Vielfalt und Inklusivität hinzuwirken. Lord Mendoza, Rektor von Oriel, gestand, dass einige enttäuscht sein würden von dieser „nuancierten Entscheidung“. Die britische Regierung, die gerade neue Vorschriften zum Schutz von Denkmälern vor dem „bellenden Pöbel“ eingeführt hat, dürfte dies als gewonnene Schlacht in ihrem Kulturkrieg verbuchen.