MESOPOTAMIA NEWS „EXEMPLARISCHE DEUTSCHE GESELLSCHAFT!“: – Richy Müller wie Folkerts demütigen sich selber wie vorm stalinistischen Gericht: finden sich selber „unverzeihlich!“ / Unsere tapferen Kommissare & mutigen Lesben!
Aktion „allesdichtmachen“ : Liefers legt nach, Laschet hat Verständnis, Folkerts bittet um Entschuldigung
- Aktualisiert am 24.04.2021- FAZ – Die Aktion „allesdichtmachen“ ist nach Ansicht von Ulrike Folkerts „schief gegangen. Jan Josef Liefers klagt, es kämen zu wenige Regierungskritiker zu Wort. Armin Laschet tritt für Meinungsfreiheit ein. Und jetzt – meldet sich der eigentliche Initiator der Aktion.
Die Schauspielerin Ulrike Folkerts hat ihre Beteiligung an der Internetaktion „allesdichtmachen“ als Fehler bezeichnet. „Die Videos, die entstanden sind, wurden falsch verstanden, sind vielleicht falsch zu verstehen“, schrieb die „Tatort“-Kommissarin am Freitagabend auf Instagram. „Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert.“ Es tue ihr leid, „Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen zu haben“.
Die Corona-Maßnahmen bezeichnete Folkerts als „absolut richtig“. Sie sei weit davon entfernt, „Querdenkern und Rechten Argumente in die Hände zu spielen“, betonte sie. „Es ist furchtbar, dass man mir das unterstellt.“ Die Aktion sei „schief gegangen und unverzeihlich“.
„Mein Video hat vielen Menschen wehgetan“
Auch der Schauspieler Richy Müller distanzierte sich inzwischen von der Aktion. „Ich musste feststellen, dass mein Video vielen Menschen wehgetan hat, die ich niemals kränken oder veralbern wollte“, sagte der 65-Jährige dem Nachrichtensender ntv. Er sei blauäugig gewesen. Dabei sei er indirekt sogar selbst betroffen: „Die Tochter meiner Frau ist mit Anfang 20 zu Beginn der Pandemie an Corona erkrankt. Und sie hatte ein halbes Jahr lang Probleme mit der Atmung.“
Unter dem Motto #allesdichtmachen hatten Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirisch gemeinten Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert. An der Aktion beteiligten sich unter anderem Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Volker Bruch und Wotan Wilke Möhring. Heike Makatsch, Meret Becker und Ken Duken hatten ihre Videos schon am Freitag zurückgezogen, als im Internet die Kritik aufkam, sie verbreiteten rechtes Gedankengut und Querdenker-Parolen.
Liefers legte mit seiner Kritik an der Corona-Politik nach. Für ihn sei in der Corona-Krise nicht ersichtlich, wie Entscheidungen zustande kämen. „Mir fehlt im Moment die Transparenz. Wie kommt eine Bundesregierung nach so vielen im Grunde halben, Viertel, ganzen, Dreiviertel-Lockdowns auf die Idee, es immer wieder zu machen?“, sagte er in der Radio-Bremen-Talkshow „3nach9“.
In der „Aktuellen Stunde“ des WDR hatte er zuvor erklärt, aus seiner Sicht kämen in den Medien zu wenig Regierungskritiker zu Wort. „Es gibt weltweit umfassende Studien von Leuten, die ihre Hausaufgaben auch gemacht haben und auch studiert haben, die zum Beispiel über einen Lockdown zu ganz anderen Erkenntnissen kommen als wir.“
„#allesdichtmachen“ : Jan Josef Liefers
Video: allesdichtmachen.de
Bei Radio Bremen gab der Schauspieler an, sich missverstanden zu fühlen. „Wenn man dann was sagt, passiert das eben durch so framingartige Situationen, dass man sofort ziemlich radikal in so Ecken gepusht wird, in die man gar nicht reingehört“, sagte der „Tatort“-Rechtsmediziner. Es gebe Menschen, die man gerade verliere, weil es für sie keine Stimme gebe.
Mit Blick auf die Videoaktion äußerte er sich selbstkritisch: „Ich finde auch den Punkt interessant, dass vielleicht Ironie wirklich ein ungeeignetes Mittel ist“, sagte er am Freitagabend in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“. Er sehe aber derzeit eine Lücke: „Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.“
Rückendeckung bekam Liefers vom Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, der ebenfalls in der Talkshow „3nach9“ zu Gast war. „Man darf das sagen in einem freien Land“, betonte Laschet. Es sei „ganz schlimm“, dass gegenüber Andersdenkenden zu leichtfertig der Vorwurf einer rechten Gesinnung erhoben werde. „Von diesen 50 ist keiner AfD, ist keiner rechts“, sagte Laschet mit Blick auf die Teilnehmer der Social-Media-Aktion. „Sie habe eine andere Meinung als die Mehrheit“. Er teile diese Meinung nicht, finde es aber wichtig, dass sie geäußert werden dürfe. „In Krisensituationen ist auch die Minderheitsmeinung gerade von Künstlern und Intellektuellen wichtig“, sagte der NRW-Ministerpräsident und CDU/CSU-Kanzlerkandidat.
Aktion #allesdichtmachen : Teilnehmende rudern nach Kritik zurück
Der Parteivorsitzende der Grünen, Robert Habeck, sagte dem „Redaktions-Netzwerk Deutschland“, die Kampagne erscheine ihm „in ihrer Pauschalität und ihrer krassen Zuspitzung unangemessen“. Zugleich forderte er eine Debatte über den Stellenwert der Kultur in der Pandemie. „Wir sollten uns klar machen, dass Kultur nicht irgendein Anhängsel ist, sondern Grundstoff einer lebendigen, demokratischen Gesellschaft ist. Und dass sie fehlt – in live und in echt“, sagte Habeck, der vor seiner politischen Karriere Roman- und Theaterautor war.
Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) äußerte „großes Verständnis“ für die Nöte der Kreativen und dafür, dass diese auf spezifische Einschränkungen aufmerksam machten. Das Virus treffe die Kulturwelt in ihrem Lebensnerv, „uns allen fehlen verbindliche Öffnungsperspektiven“, sagte sie. Zugleich kritisierte sie jedoch den Ton der Protest-Clips. Sie hätte sich „deutlich mehr Empathie für die Menschen gewünscht, die vom Coronavirus betroffen sind oder im Gesundheitssystem harte Arbeit leisten“, sagte Grütters. Es gehe um die Rettung von Menschenleben.
Sendung „3nach9“ : Jan Josef Liefers und Armin Laschet über #allesdichtmachen
Video: Youtube/ 3nach9, Bild: Radio Bremen/NDR
Der Geschäftsführer der Wunder am Werk GmbH, die die Videos initiiert hatte, Bernd Wunder, sagte dem Evangelischen Pressedienst epd, mit Gegenwind habe man gerechnet, nicht aber damit, dass die Aktion so hohe Wellen schlage und auch nicht mit einem „Bashing“ in diesem Ausmaß. „Die Kulturschaffenden wollten Kritik äußern, aber niemals pietätlos sein; sie sehen die Gefahren von Corona“, sagte Wunder. Man habe nicht Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner ansprechen wollen, sondern Leute, die „zwischen die Fronten geraten“ seien.
Ziel der Kampagne für mehr Öffnung im Kulturbereich sei gewesen, mit den Mitteln von Satire, Ironie und Zuspitzung Gedankenanstöße zu geben, „den Diskussionsraum wieder zu öffnen und andere Meinungen zu hören“. Nun sehe man sich „in eine Ecke gestellt mit rechten Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Corona- und Pandemieleugnern. Nichts liegt uns ferner“, erklärte Wunder. „Von der AfD sind wir weit, weit entfernt.“