MESOPOTAMIA NEWS : DAS VIRUS AUS ROT CHINA / ANTHONY FAUCI !
In den USA reden wieder alle vom Viren-Institut in Wuhan: Die Frage nach der Herkunft des Coronavirus ist plötzlich wieder ein Thema. Präsident Joe Biden will nun Gewissheit haben, die Geheimdienste sollen ihm einen Bericht vorlegen. – NEUE ZÜRCHER ZEITUNG – 27 Mai 2021
Während in den USA die Hoffnung wächst, Covid-19 mithilfe der Impfungen in den Griff zu bekommen, ist die Frage nach der Herkunft des Coronavirus plötzlich wieder ein Thema – und ein Politikum. Präsident Biden will nun Gewissheit haben.
Peter Winkler, Washington27.05.2021, 05.30 Uhr – Anthony Fauci meldete offen Zweifel an, ob das Virus wirklich auf natürlichem Weg auf den Menschen übergesprungen sei.
Der Lärm wurde plötzlich unüberhörbar. Immer mehr Politiker und Medien in den USA haben in den letzten Tagen die alte Frage aufgebracht, ob das Coronavirus, das inzwischen für den Tod von mehr als dreieinhalb Millionen Menschen verantwortlich gemacht wird, nicht doch in einem Hochsicherheitslabor im chinesischen Wuhan auf den Menschen übersprang und dadurch aus dem Labor entwich. Von Wuhan aus, das ist die gängige These, vermochte sich das Virus auf der ganzen Welt zu verbreiten, nicht zuletzt wegen der systematischen Verschleierung der chinesischen Behörden.
Druck aus konservativen Kreisen
Es sind vor allem republikanische Politiker und konservative Medien, die sich beständig und intensiv mit dieser Frage auseinandersetzten und nun dafür sorgten, dass der Ruf nach einer lückenlosen Aufklärung der Herkunft von Sars-CoV-2 auch aus der obersten Ebene der amerikanischen Regierung ertönt. Nicht etwa Verschwörungstheoretiker, sondern Funktionäre vom Schlag eines Anthony Fauci, des Topexperten für Infektionskrankheiten, oder des Gesundheitsministers Xavier Becerra warfen in den letzten Tagen vermeintliche Gewissheiten über Bord und meldeten offen Zweifel an, ob das Virus wirklich auf natürlichem Weg, «in freier Wildbahn» sozusagen, auf den Menschen übergesprungen sei.
Die Folge: Das Virologische Institut in Wuhan (VIW) ist wieder zu einem Hauptverdächtigen geworden, denn dort wurde seit Jahren an Coronaviren aus Fledermäusen geforscht. Viele Hinweise deuten darauf hin, dass auch Sars-CoV-2 ursprünglich aus diesen Tieren stammt.
Präsident Joe Biden versuchte am Mittwoch das Heft wieder an sich zu reissen. Die Thesen über die Herkunft des Virus hätten sich auf zwei wahrscheinliche Szenarien verdichtet, erklärte er: das natürliche Überspringen des Virus auf den Menschen von einem infizierten Wildtier und einen Laborunfall. Er ordnete nun seine Geheimdienste an, innert 90 Tagen einen Bericht zu erstellen, von dem er «klare Schlussfolgerungen» erwarte.
Ausgelöst wurde die jüngste Runde der Spekulationen durch einen Artikel im «Wall Street Journal», der im Kern eine bekannte Tatsache aufwärmte: Im November 2019, also kurz vor dem ersten offiziell registrierten Auftreten der Seuche, sollen drei Mitarbeiter des VIW erkrankt sein. Sie hätten Symptome aufgewiesen, die mit einer Covid-19-Infektion übereinstimmen könnten, aber auch mit einer normalen saisonalen Erkrankung wie etwa der Grippe.
Berichte über diese drei Fälle stammten aus den Geheimdiensten und kursierten schon seit längerem. Im Januar, kurz vor dem Ende der Regierung Donald Trumps, hatte das State Department in einem Fact Sheet den gleichen Sachverhalt umschrieben. Es war bekannt, dass im VIW Forschung an Coronaviren betrieben wurde, die zu einem Teil auch von amerikanischen Stellen mitfinanziert worden war. Nach den Erfahrungen mit den Lungenkrankheiten Mers und Sars wollte die Welt gewappnet sein, wenn der nächste Ausbruch kommen würde.
«Null Infektionen»
Im Papier des State Department wurden erstmals offiziell Zweifel an der Versicherung der leitenden Virologin am VIW, Shi Zhengli, geäussert, wonach es an ihrem Institut «null Infektionen» mit Sars-CoV-2 oder verwandten Viren gegeben habe. Shi hatte diese Aussage in einem Interview mit dem Magazin «Science» im Juli des letzten Jahres gemacht. Sie habe wegen des Verdachts einer solchen Infektion buchstäblich schlaflose Nächte verbracht. Aber man habe das Blut aller Angestellten und Studierenden untersucht und keinerlei Hinweise auf eine Ansteckung gefunden. Man habe auch alles Forschungsmaterial der letzten Jahre überprüft und nichts davon sei mit den Eigenschaften von Sars-CoV-2 vereinbar gewesen.
Neu am Bericht des «Journal» war dann aber, dass die drei erkrankten Laborkräfte in Wuhan im November 2019 Spitalpflege in Anspruch nehmen mussten. Aus amerikanischer Sicht heisst das fast zwingend, dass ihre Erkrankung ernst gewesen sein muss. Allerdings gibt es kritische Stimmen, die meinen, in China sei es durchaus üblich, direkt ins Spital zu gehen, wenn man gesundheitliche Probleme habe.
Ein Geheimdienst-Dilemma
Der Bericht über die drei kranken Laborkräfte in Spitalpflege ist den amerikanischen Diensten von einem nicht genannten befreundeten Staat übermittelt worden. Im April veröffentlichte die australische Publikation «The Australian» die gleiche Geschichte. Man kann daraus schliessen, wie das ein Meinungsbeitrag der «Washington Post» tut, dass die Informationen für die amerikanischen Nachrichtendienste ebenfalls von Down Under kamen, doch sicher ist das nicht. Tatsache ist aber, dass die amerikanische Regierung die Information und ihren Urheber nicht ohne weiteres preisgeben kann oder will, um die Quellen in China nicht zu gefährden.
Dies wiederum wird nun von den Republikanern mit aller Kraft ausgenutzt, um der Regierung Biden und den Demokraten vorzuwerfen, sie seien nicht an einer wirklichen Aufklärung interessiert. Sie fordern Untersuchungen im Kongress, die aber nur von den Demokraten ausgelöst werden können, da sie in beiden Kammern die Mehrheit stellen.
Dass Biden nun einen Geheimdienstbericht zur Herkunftsfrage in Auftrag gab, nimmt den Republikanern zwar etwas Wind aus den Segeln und verschafft den Demokraten Luft. Aber dass die Republikaner aufhören würden, die Frage als innenpolitischen Zankapfel zu behandeln, ist wohl nur ein frommer Wunsch. Sie haben zudem auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Visier, die in der Frage der Pandemie zu einem Intimfeind geworden ist, da sie angeblich am Gängelband der Kommunistischen Partei Chinas operiere.
Konsens ausserhalb Chinas
Klar ist, dass die erste Phase der Untersuchung zur Entstehung von Sars-CoV-2 durch die WHO wegen der chinesischen Intransigenz der Wahrheitsfindung nicht wirklich diente. Darüber herrscht – mindestens ausserhalb Chinas – ein weitgehender Konsens. Führende Wissenschafter hatten im März in einem offenen Brief eine internationale Untersuchung gefordert. Sogar der WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte schon im Februar klargestellt, dass keine These zur Herkunft des Virus widerlegt worden sei und die Frage weitere Untersuchungen erfordere.