MESOPOTAMIA NEWS : BIDEN ERMAHNT ISRAEL = ERGO IST BIDEN ANTISEMIT!

Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

  • Von Jochen Stahnke, Jerusalem FAZ 10.05.2021- Israelische Sicherheitskräfte während einer Demonstration gegen den geplanten Räumungsprozess im Stadtteil Scheich Jarrah am 8. Mai  – In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

Die letzten Nächte des Ramadans haben in Jerusalem ein Ausmaß der Gewalt erreicht wie seit Jahren nicht mehr. Am Sonntagabend kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Dabei wurden laut dem palästinensischen Roten Halbmond mit sieben Menschen deutlich weniger verletzt als an den Vortagen. Die israelische Polizei stand an verschiedenen Orten in Ostjerusalem überwiegend jungen palästinensischen Demonstranten gegenüber. Dabei setzte sie Blendgranaten und Wasserwerfer am Damaskus-Tor am Rande der Altstadt ein. Zusammenstöße gab es auch im Viertel Scheich Dscharrah, wo Palästinenser mit Steinen auf die Sicherheitskräfte warfen. Dort hatten die jüngsten Proteste ihren Ausgang genommen.

Nach den Gebeten an den Vortagen hatten Palästinenser Steine auf die Polizei geschleudert, die bis auf das Plateau von Al-Aqsa vordrang. Die Beamten feuerten Gummigeschosse in die Menge und Videoaufnahmen zeigen, wie Sicherheitskräfte Schockgranaten selbst in den Eingangsbereich der Al-Aqsa-Moschee warfen, was neuerliche Gewalt nach sich zog.

Zweihundert Palästinenser und zwanzig Polizisten wurden am Freitag verletzt, neunzig weitere Palästinenser am Samstagabend. Zuvor hatte die Polizei Dutzende Busse mit palästinensischen Israelis vorübergehend angehalten, die auf dem Weg zum Al-Aqsa-Plateau waren, wo am Abend Al-Qadr begangen wurde, die heiligste Nacht im Ramadan. Nach Polizeiangaben wurden 29 Personen festgenommen, die im Umfeld der Muslimbruderschaft vermutet werden.

Netanjahu ist mit dem eigenen politischen Überleben beschäftigt

Die Polizei geht laut israelischen Medienberichten davon aus, dass Angehörige der Hamas eine führende Rolle bei den Zusammenstößen spielen. Weiter hieß es, dass die Unruhen im Zusammenhang mit der Entscheidung des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas stünden, die Parlamentswahl abzusagen. Abbas hatte das damit begründet, dass Israel die Wahl für Palästinenser im von Israel besetzten Ostjerusalem nicht ausdrücklich erlaubt habe. Die palästinensische Führung in Ramallah, die kaum Zugriff auf das arabische Ostjerusalem hat, hat das Vertrauen der eigenen Bevölkerung verloren. Sie macht hingegen Israel für die Unruhen in Jerusalem verantwortlich.

Gleichzeitig marschierten während der Auseinandersetzungen Dutzende rechtsradikale jüdische Aktivisten durch die muslimischen Viertel der Altstadt und grölten antiarabische Parolen. In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die andauernde Führungskrise der geschäftsführenden israelischen Regierung beruhigt die Lage nicht, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist mit seinem eigenen politischen Überleben beschäftigt.