MESOPOTAMIA NEWS : „ABWEHRZAUBER“ / DIE TOTAL ANTIRASSISTISCHE MORAL-GESELLSCHAFT DISKRIMINIERT DIE ALTEN !
Von Susanne Gaschke – Neue Zürcher Zeitung 11 4. 2020
(…) Nun kommt mit Sars-CoV-2 ein neues Risiko obendrauf – ein feindseliges Virus, das vor allem Hochbetagte, Schwerkranke und Immunsupprimierte angreift. Und auf einmal blenden wir alle anderen Aspekte des Alterns aus. Auf einmal dominiert die Fiktion, man könne dieses eine Risiko zu hundert Prozent besiegen, koste es, was es wolle. Doch diese Hoffnung erweist sich jetzt schon als trügerisch. Und alle anderen Risiken des menschlichen Lebens dauern fort.
Da ist, um ein lästiges praktisches Beispiel zu nennen, der alte Mann, der sich unglücklicherweise ein paar Tage vor dem Totalzugriff der Corona-Krise den Arm gebrochen hat. Er wird operiert und gut versorgt im städtischen Krankenhaus (das noch nicht privatisiert ist), aber nach vier Tagen schickt man ihn nach Hause: besser, wenn ihn die Corona-Welle nicht im Spital erwischt, besser, dass er niemandem das Bett auf der hochgerüsteten Station wegnimmt. Nach der frühzeitigen Entlassung zieht er sich eine Wundinfektion zu – seine Frau muss darum betteln, dass der Hausarzt alle paar Tage auf den geschwollenen, entzündeten Arm schaut. An Covid-19 wird dieser 81-Jährige wahrscheinlich nicht sterben. Aber er leidet durchaus unter den flächendeckenden Anti-Corona-Massnahmen.
Patienten, gerade ältere, trauen sich nicht mehr in Arztpraxen, sie gehen nicht mehr zur Physiotherapie, nicht in die Krankenhäuser – teils aus Angst vor Ansteckung, teils aber auch aus Scham und Höflichkeit, die es in dieser Generation noch gibt: Man will nicht stören. Wie viele Opfer diese Haltung am Ende fordern wird, kann erst nach der Krise ausgezählt werden, wenn überhaupt.
Der gute Deutsche
Gerade die Deutschen gefallen sich in 150-prozentigem Corona-Gehorsam, wahrscheinlich ist immer noch viel von der Ja-Nein-, Schwarz-Weiss-, Gut-Böse-, Freund-Feind-Mentalität Carl Schmitts übrig. Nur wenn die Massnahmen beinhart sind und die Unterwerfung total ist, nur wenn man kritische Nachfragen absolut unterlässt, ist man ein guter Corona-Staatsbürger. Man nimmt gefälligst bei Edeka seinen desinfizierten Einkaufswagen in Empfang, steckt aber direkt danach seinen Parkschein in den nicht desinfizierten Automaten. Man lässt sich als Paar von der Polizei auseinandertreiben bei dem kriminellen Versuch, im Park zwei Brötchen zu verzehren (Picknicks sind in der Berliner Corona-Allgemeinverfügung nicht verboten, aber die Polizei ist dagegen). Man nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass offizielle Stellen monatelang vom Maskentragen abrieten (weil es ohnehin keine gab?), und akzeptiert, dass das Umbinden von selbstgenähten Stoffstücken mit Henkeln plötzlich erste Bürgerpflicht ist.
Das deutsche Infektionsschutzgesetz wurde kurzerhand zum Ermächtigungsgesetz umfunktioniert – nur den Linken, den Grünen und der FDP ist zu verdanken, dass das Parlament sich nicht vollständig selbst aufgegeben hat.
Gott sei Dank, leben wir nicht in China – obwohl viele Menschen dieses totalitäre, machthungrige Grossreich inzwischen für ein Vorbild zu halten scheinen –, und Gott sei Dank, lässt sich Widerspruch in Deutschland nicht einmal durch die Selbstgleichschaltung der Medien unterdrücken.
Kontaktsperren-Totalitarismus
Hans-Jürgen Papier, der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, sagt, wenn sich die vielen Einschränkungen des Alltags über längere Zeit hinzögen, sei «die Freiheit in Gefahr».