MESOP WATCH NEU: SUBMISSION ANTI-WEISS / Umgekehrter Rassismus : Wenn Täter und Opfer die falsche Hautfarbe haben
Matthias Rüb FAZ -14.12.2021 – Die auffällige Zurückhaltung der „Times“
Rampini stellt in seiner Kolumne im „Corriere“ fest, dass die Leser der „New York Times“, des „maßgeblichen Blattes für die Stadt und die Nation“, nur an verborgener Stelle im Lokalteil von den Bluttaten in Manhattan
unterrichtet worden seien. Vom mutmaßlichen Täter, der inzwischen wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt ist, wurden im Blatt wie auf der Website zunächst nur dessen Name und Alter mitgeteilt. Nicht berichtet wurde, dass Pinkney nach veröffentlichten offiziellen Informationen der New Yorker Polizei zur schwarzen Gang „Everybody Killas“ (abgekürzt EBK, auf Deutsch etwa „Wir killen alle“) gehört, die vom Stadtteil Queens aus den Drogenhandel im Großraum New York kontrolliert. Und die mit anderen Gangs wie den „Bloods“, den „Crips“ und den „Nightingales“ kooperiert – oder sich mit diesen blutige Verteilungskriege liefert. Nicht berichtet wurde zudem, dass Pinkney seit 2011 elf Mal wegen schwerer Gewalttaten verhaftet, dass er 2018 wegen Teilnahme an einem brutalen Überfall der EBK zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Und dass er nach zwei Jahren aus der Haft entlassen wurde. All diese Informationen habe man dagegen auf den Websites lokaler Fernsehsender sowie beim konservativen Boulevardblatt „New York Post“ lesen können, schreibt Rampini.
Und er bilanziert die auffällige „Zurückhaltung“ der „New York Times“ bei der Berichterstattung über den Fall Davide Giri wie folgt: „Das Interesse des Blattes und der investigative Impetus wären ganz andere gewesen, wenn Täter- und Opferrolle vertauscht gewesen wären. Wenn das Opfer ein Afroamerikaner gewesen wäre und der Täter ein Weißer – schon gar, wenn dieser Weiße zu irgendeiner Organisation gehört hätte, die Gewalt predigt und ausübt, etwa eine rechte Miliz. Dann wäre über diese Tragödie auf der Frontseite berichtet worden. Dann wäre ein Team von Reportern in Marsch gesetzt worden, um die Hintergründe des Mordes, die Geschichte des Mörders und dessen Motive zu ergründen.“ Rampini resümiert, dass die selektive Berichterstattung der „New York Times“ zum Fall Giri einen „beunruhigenden Ausblick auf den ,neuen Journalismus‘ gewährt: auf einen militanten und von einer ideologischen Agenda geprägten Journalismus, der sich auch bei der Berichterstattung über Kriminalität einer Stammeslogik beugt“.
In ihrer Ausgabe vom 12. Dezember hat die „New York Times“ abermals über den Kasus Giri berichtet. In einem ausführlichen Artikel mit der Überschrift „Tun innerstädtische Universitäten genug für die Stadtviertel in ihrer Umgebung?“ In dem Text wird das harte Aufeinanderprallen von reichen Hochschulen wie der Columbia University im Norden Manhattans und armen Stadtvierteln wie Harlem und Washington Heights dargestellt. Während die Universität mit einem Vermögen von 14 Milliarden Dollar dank ihres Status als Bildungseinrichtung keine Grundsteuer für ihre Liegenschaften bezahle und so allein 2021 rund 320 Millionen Dollar Steuern spare, trage die Universität nur mit einer Spende von rund 2500 Dollar jährlich zum Unterhalt des öffentlichen Morningside Parks in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft bei, wird vorgerechnet. Zur Motivlage des mutmaßlichen Messerstechers heißt es, dieser habe offenbar unmittelbar vor den Angriffen „einen psychischen Zusammenbruch erlitten“ oder „unter Drogeneinfluss gestanden“. Dass der Täter schwarz war und alle seine Opfer weiß waren, wird in dem Artikel abermals nicht erwähnt.