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Linke Zeitung „ak“ wird 50 : Früher waren wir Kämpfer! Ein Kommentar von Dietmar Dath 17.12.2021-
Langlebig in Wort und Tat: „ak – analyse & kritik“, die „Zeitung für linke Debatte und Praxis“, hat ein halbes Jahrhundert überdauert. Eine Gratulation.
Politischer Journalismus kann langlebig sein, wenn er außer aktuell auch geschichtsbewusst und vorausschauend argumentiert – schon in ihrer Ausgabe vom 20. September 2021 hat sich daher „ak – analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis“ (die Kleinschreibung der ersten drei Wörter und der abrupte Wechsel zur Großschreibung im Untertitel dienen natürlich der Verwirrung des feindlichen Feldes zwischen Altkommunismus und Verfassungsschutz) beeilt, dem vormals bekennenden Bekämpfer des „staatsmonopolistischen Kapitalismus“ und Ex-Vizepräsidenten der „International Union of Socialist Youth“, Olaf Scholz, und seiner bald darauf gewählten Regierung eine zeitgeschichtliche Lektion zu erteilen.
Ihr Inhalt? Die deutsche Sozialdemokratie mag sich einbilden, sie wäre aufgrund ihrer Nähe zur „arbeitenden Bevölkerung“ (Sozideutsch) besonders berufen, Spaltungen der Gesellschaft zu verhindern oder zu kitten. Aber manchmal reißen die Gräben, die sie zuschütten will, nach dem Verlust der Regierungsmacht durch diese Partei, wenn sie’s mal wieder nicht geschafft hat, die Spaltung zu kontern, nur umso heftiger auf – wie 1983, als die IG Metall, kaum war Helmut Schmidt als Kanzler demissioniert, plötzlich große Teile der Schwerindustrie vergesellschaften wollte. Das hat der Historiker Ralf Hoffrogge in einem vorzüglich recherchierten ak-Artikel nacherzählt, der in der Feststellung gipfelt, ähnliche Ideen (diesmal vielleicht fürs Immobilienwesen) könnten um sich greifen, wenn genügend Leute keine Lust mehr hätten auf den „Teufelskreis aus Arbeitsintensivierung, Steuersenkungen und Abbau öffentlicher Daseinsfürsorge“, zu dessen Hauptantreibern im laufenden Jahrtausend bekanntlich der letzte sozialdemokratische Bundeskanzler Gerhard Schröder gehörte.
Die Zeitung, in der das erschien, hieß einst „Arbeiterkampf“ und hat sich im Laufe der Zeit zu einer Plattform für mehr als nur „Debatte und Praxis“ gemausert – selbst Leute, die politisch (bei aller gemeinsamen linken Grundorientierung) ganz woanders herkommen oder hinwollen als diejenigen, die dort publizieren, respektieren das Spektrum (für Sanktionen gegen Syrien, für weniger oder andere Sanktionen gegen Syrien – in ein und derselben Beilage, in ein und derselben Nummer), die Tiefe und Sorgfalt der Beiträge in diesem Organ. Langlebig ist es damit in der Tat geworden: Die gerade erschienene Jubiläumsnummer feiert das vollendete erste halbe Bestehensjahrhundert der Zeitung.