MESOP WATCH NEU: Goldman Sachs prophezeit Blackouts in Europa

Wachsende Risiken – Droht der Winter-Blackout?

Züge bleiben stehen, Aufzüge stecken fest, Lichter gehen überall aus. Was im Thriller “Blackout” passiert, könnte Realität werden, warnen einige Experten: ein massiver Ausfall der Stromversorgung. Notker  Blechner, tagesschau.de 23.11.2021

Plötzlich war alles dunkel: Mitte September fiel in 300.000 Haushalten in Dresden zeitweise der Strom aus. In der Chipfabrik von Infineon musste die Produktion gestoppt werden. Die Schäden lagen im Millionenbereich. Schuld am Stromausfall war ein Folienballon, der einen Kurzschluss in einem Umspannwerk auslöste.

Kurze Zeit später gingen auch in Teilen von Wiesbaden die Lichter aus. 20.000 Einwohner waren Mitte September zeitweise ohne Strom – wegen eines Kabelfehlers.

Ob Dresden oder Wiesbaden: Es hat den Anschein, dass sich kleine Blackouts in deutschen Städten häufen. Noch sind die Stromausfälle regional begrenzt. Doch Experten warnen, dass es bald einmal zu einem massiven Stromausfall in ganz Deutschland kommen könnte. Die Frage sei nicht, ob, sondern wann ein großer Blackout wie einst in New York 2003 komme, sagt Buchautor und Medienwissenschaftler Denis Newiak von der Universität Potsdam, der in Kürze ein Buch zum “Blackout” veröffentlichen wird.

Goldman Sachs prophezeit Blackouts in Europa

Die niedrigen Erdgasreserven, die Abschaltung von immer mehr Atomkraft- und Kohlekraftwerken sowie der schwankende Wind haben das Risiko eines größeren Stromausfalls verstärkt. Wenn dann auch noch der kommende Winter richtig kalt werden würde, drohen Millionen Bürgern in Europa Blackouts, prophezeiten jüngst die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs in einer Studie.

In Großbritannien ist die Gefahr besonders groß. Wegen der Gaskrise brachen in den letzten Wochen mehrere Versorger zusammen. Die Insel ist stark auf Gas angewiesen und muss wohl noch mehr importieren, nachdem wegen eines Kabelbrands in einer Netzanlage ein Verbindungskabel abgeschaltet werden musste, über das französischer Atomstrom auf die Insel kam.

Großbritannien rationiert die Stromversorgung für E-Autos

Um Blackouts zu vermeiden, kündigte die britische Regierung vor kurzem eine Beschränkung der Stromzufuhr für E-Autos an. Laut einem Bericht der “Times” wird es von 2022 an ein neunstündiges Zeitfenster geben, während dessen Stromer nicht mehr geladen werden dürfen.

In Deutschland werden zwar mehr E-Autos als in Großbritannien verkauft, aber der Boom der Stromer hat bisher noch nicht das Stromnetz belastet. Allerdings warnt die Bundesnetzagentur vor Überlastungen des lokalen Verteilernetzes, wenn viele Fahrzeuge insbesondere in den Abendstunden gleichzeitig geladen werden.

Als Schreckensszenario gilt hierzulande eher die “Dunkel-Flaute”. Längere Zeiträume, in denen kein Wind weht und auch keine Sonne scheint, könnten zu einem Ungleichgewicht im Stromnetz und somit zu Ausfällen führen. Denn wird nicht genau so viel elektrische Energie in ein Stromnetzwerk eingespeist wie verbraucht wird, können Probleme entstehen.

Stromnetz stabiler

Langfristig befürchten manche Experten aber durchaus einen größeren Stromausfall, wenn die Energiewende kommt. “Mit dem heutigen Übertragungsnetz steigt das Risiko für einen Blackout beträchlich”, sagt Dirk Witthaut vom Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich. “Insbesondere rund um die Nordsee wird es eng, wenn Onshore- und Offshore-Windkraft deutlich ausgebaut werden.” Schon jetzt käme es an einigen Stellen im Übertragungsnetz zu Engpässen – wegen der wachsenden Distanz zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Eine gewaltige Menge Windstrom werde in und um die Nordsee erzeugt und müsse in den deutschen Westen und Süden übertragen werden. Als wichtigste Maßnahme zur Vermeidung eines Blackouts empfiehlt er den raschen Netzausbau.