MESOP WATCH NEU : Erfolgreichste Bewegung der Welt / UNTER DER REGENBOGENFAHNE

Eine kleine, laute Gruppe arbeitet daran, eine funktionierende Ordnung komplett umzuwerfen.

10.11.2021 Tamara Wernli WOZ SCHWEIZ -Es kann doch nicht sein, dass es einfacher ist, sein Geschlecht zu ändern, als einen WK zu verschieben.»

Dieser Leserkommentar im 20 Minuten bringt auf den Punkt, was viele Menschen denken. Ab nächstem Jahr kann man seinen Geschlechtseintrag auf dem Zivilstandsamt anpassen lassen, wenn man innerlich fest davon überzeugt ist, nicht dem eingetragenen Geschlecht zuzugehören. Die Anpassung kostet 75 Franken, dafür benötigt es keine psychologischen Abklärungen, kein Gerichtsverfahren, keine Operation.

Man muss kein Einstein sein, um zu erkennen, dass diese Konstellation für gesellschaftlichen Wirbel sorgt. Man spricht sogar von einem Gender-Krieg, und die zwei Gruppen, die am meisten hervorstechen, sind Trans-Aktivisten und genderkritische Feministinnen. Den Ton geben Erstere an, Letztere müssen sich mit der Oppositionsrolle begnügen. Der Trans-Aktivismus zählt global zahlenmässig zu den kleinen Gruppen, er hat es aber innert relativ kurzer Zeit geschafft, grosse Teile der Medien, der Akademikerzirkel, der Politik und des modernen Feminismus für seine Ansichten und Bedürfnisse zu vereinnahmen und öffentliche Kritiker, bis auf einige wenige, krachend verstummen zu lassen. Die Trans-Bewegung ist die erfolgreichste Bewegung der Welt.

Für Trans-Aktivisten und ihre Sympathisanten ist das Geschlecht ein soziales Konstrukt. Um eine Frau zu sein, reicht es, sich als solche zu identifizieren, dasselbe gilt bei Männern. Bedenken über eventuelle negative Folgen der geschlechtlichen Selbstidentifikation schmettern sie ab. Noch mehr: Wer es wagt, ihre Doktrin zu hinterfragen, wird gnadenlos gepeinigt und als transphob diffamiert. Das letzte Opfer ist die britische Philosophin Kathleen Stock. Druck, Beschimpfungen und Drohungen von Trans-Aktivisten waren so gewaltig, dass sie ihre Professur an der Uni Sussex niederlegte. Ähnlich ist es den Professorinnen Jo Phoenix und Rosa Freedman ergangen.

Genderkritische Feministinnen wie Stock sprechen sich dafür aus, dass das biologische Geschlecht zählt und nicht einfach dem selbstgewählten unterstellt werden kann. Sie sehen die Vermischung von Geschlecht und Gender als problematisch, vor allem aber wehren sie sich dagegen, dass ein Mann als Frau gelten und Frauenrechte für sich beanspruchen kann, nur weil er sich als Frau fühlt – sich also ohne Umwandlung, Operation oder Hormontherapie als solche bezeichnen kann. Damit schade man dem Schutz der Frauen und biete Übergriffigen einen Vorwand – speziell in Bereichen wie Umkleidekabinen, Frauenhäusern, Frauengefängnissen, aber auch im Sport.

Die extreme Unvereinbarkeit von Oldschool-Feministen und Trans-Aktivisten war für mich – als Zaungast bei dem immer weiter eskalierenden Streit – vorhersehbar, und ganz ehrlich: Ich wüsste nicht, wie sich die Schranken überwinden liessen. Es scheint, dass die emotionsgeladene Empfindsamkeit grosser Teile der Trans-Community gar keine vernünftige Lösung des Problems zulässt.

Was ich jedoch weiss: Eine Frau zu sein, ist nicht einfach ein Gefühl, das man beliebig an- und abschalten kann. Oder das einmal vorbeigeht. Man kann biologische Tatsachen nicht aussortieren wie ein abgetragenes Paar High Heels, denn das biologische Geschlecht entscheidet über viele Faktoren in unserem Leben: Wie stark ich bin, wie gross ich bin, ob ich die Periode habe, Kinder gebären kann. Aber auch für unsere Rechte und Pflichten ist es entscheidend, ob man biologisch männlich oder weiblich ist. Wenn das Geschlecht keine Rolle mehr spielt, hiesse das beispielsweise, dass Frauen Militärdienst zu leisten hätten und längst das gleiche Rentenalter für alle gelten müsste.

Dass man das Leben von Trans-Menschen nicht unnötig erschwert, ist wichtig und richtig. Und selbstverständlich verdienen sie die gleichen Rechte und den gleichen Respekt wie alle anderen. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch nicht so tun, als würde das Aufheben aller Grenzen keine neuen Probleme mit sich bringen. Möglichen Spielraum für Missbrauch zu leugnen, ist naiv. In Deutschland hat sich im August ein Mann am Tag einer politischen Abstimmung als Frau definiert und einen Quotenplatz bei den Grünen bekommen. Das ist eher absurd als tragisch. Situationen wie im Sport, wenn biologische Frauen gegen Trans-Frauen antreten müssen und haushoch verlieren oder im Women-only-Nacktbereich des Spas plötzlich ein sich als Frau identifizierender Mann und sein nacktes Gemächt vor einem stehen, wie neulich in Los Angeles geschehen, sind problematisch – und real. In Kanada zerrte eine Transgender-Frau, im Besitz von Penis und Hoden, Kosmetikerinnen eines Frauensalons vor Gericht, weil sie sich weigerten, ihre Intimzone zu wachsen. In Grossbritannien liess sich eine angebliche Transgender-Frau ins Frauengefängnis überführen und belästigte dort zwei Frauen sexuell.

Zurück zum Zivilstandsamt. Ein pragmatisches Vorgehen wäre vielleicht, Angaben zu Geschlecht und Geschlechtsidentität separat zu registrieren. Das wäre vermutlich auch im Sinne der grossen gesellschaftlichen Mehrheit, die dagegen aufbäumt, dass eine funktionierende Geschlechterordnung von einer kleinen, mächtigen Bewegung komplett umgekrempelt wird.

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