MESOP NEWS : WE’LL MEET AGAIN- Regionalwahlen in Amerika : Trump zieht immer noch
- Von Majid Sattar, Erie FAZ – 9.11.2021 Die Demokraten haben bei den Regionalwahlen in Amerika darauf gesetzt, vor der Wiederkehr des Trumpismus zu warnen. Die Rechnung ging nicht auf. Ein Ortsbesuch im „Rust Belt“.
Im großen Ballsaal von Waldameer läuft John Ventre von Tisch zu Tisch und drückt älteren Herrschaften Flyer in die Hand: „John – never Socialist – Ventre for Governor“ steht in großen Lettern auf dem Prospekt. Er macht Small Talk mit den Republikanern, die am letzten Freitag im Oktober in dem Vergnügungspark am Eriesee im Nordwesten Pennsylvanias zusammengekommen sind. Wenige Tage nach der Versammlung sind die Bürger des Landkreises Erie aufgerufen, über die Besetzung ihrer kommunalen Ämter zu entscheiden.
„Keiner ist Trump so ähnlich wie ich“
Trump überrollte die Partei
Salmon, 74 Jahre alt, führt die Partei in Erie seit mehr als zehn Jahren. Der frühere Superintendent des Schulbezirks war früher ein eher moderater Republikaner, wie sie einst in Pennsylvania typisch waren. Als Trump 2016 die Partei überrollte, ließ er sich auf das Experiment ein. Er gehörte zu jenen, die zwar öffentlich sagten, sie seien nicht über jedes Wort und jeden Tweet des Präsidenten glücklich. Doch sei dessen „America first“-Politik genau das, was das Land brauche. Dieser Balanceakt funktionierte ganz gut für Salmon – bis zum 6. Januar, bis zur Erstürmung des Kapitols. Seither ist es schwieriger mit dem Balancieren. Schließlich geht es nun um die Frage, wie man zur Verfassung steht.
Salmon sagt mit Blick auf die Wahl vor einem Jahr, es habe sich wieder einmal gezeigt: So wie Erie wähle, wähle das ganze Land. Der seinerzeitige Wahlsieg der Demokraten in dem Landkreis mit seinen 270.000 Einwohnern trug so mit zu Bidens Erfolg in Pennsylvania bei. Auch Trump hatte gewusst, dass Erie entscheidend sein könnte. Er war kurz vor dem Wahltag noch einmal in den Wahlkreis gekommen, so wie schon vier Jahre zuvor. 2016 war ihm das Undenkbare gelungen. Hillary Clinton war damals fest davon ausgegangen, dass sie Erie in der Tasche habe. So wie sie fest davon ausgegangen war, die Wahlleute aus Pennsylvania und auch aus Michigan und Wisconsin klar für sich zu gewinnen. Die drei Rust-Belt-Staaten brachen seinerzeit aber aus der „Blauen Wand“, jenem Block von 240 der 270 nötigen Stimmen im Wahlleutegremium, welche die Demokraten von 1992 bis 2012 stets hatten gewinnen konnten. Erie ging 2016 erstmals seit 1984 an die Republikaner. Trump wiederholte so den Erfolg Ronald Reagans. Auch dem war es gelungen, einen Teil der männlichen weißen Arbeiterschaft für sich zu gewinnen.
Am Mittwoch, nach einer langen Wahlnacht, zeigt sich in Erie, was auch die Wahlen in Virginia und an vielen anderen Orten Amerikas offenbarten: Die Strategie der Demokraten geht nicht auf. Brenton Davis liegt am Ende mit 3000 Stimmen deutlich vor Titus. Die Republikaner hätten einfach besser mobilisiert, gesteht Wertz zerknirscht ein. Und Salmon frohlockt: Das ganze Gerede über Trump habe nicht gezündet. Für die Kongresswahlen im kommenden Jahr müssen sich die Demokraten etwas Neues überlegen.