MESOP NEWS : LESENSWERTER THOMAS EPPINGER / WIENER GESCHICHTEN&Antisemitismus

Kennen Sie Dave Chappelle? Der schwarze Schauspieler gehört zu den berühmtesten Stand-up-Comedians der USA, sein Thema ist die Diskrepanz zwischen dem weißen und dem schwarzen Amerika..

»Chappelle’s Show« war ein riesiger Erfolg, trotzdem ist er 2005 aus einem 50-Millionen-Dollar-Vertrag ausgestiegen. Er hätte kein gutes Gefühl mehr gehabt, sei sich vorgekommen, als würde er sich prostituieren, erzählte er später bei Oprah Winfrey.

Seit 2017 nimmt er einstündige Specials für Netflix auf. Seine letzte Show, »The Closer«, ist gerade in aller Munde. Chappelle nimmt darin die Transgender-Aktivisten aufs Korn, nicht zum ersten Mal. Männer und Frauen seien ein Faktum, sagt er, und so wie Weiße früher mit »Blackfacing« die Unterdrückung der Schwarzen verharmlost hätten, ohne auch nur eine Vorstellung davon zu haben, wie man als Schwarzer wirklich lebt, würden sich nun Männer als die besseren Frauen aufspielen, ohne auch nur eine einzige Periode gehabt zu haben. Nun hagelt es Proteste der LGBTQ-Community gegen Netflix, sie werfen Chappelle Transphobie vor, die Sendung dürfe nur mit einem Warnhinweis ausgestrahlt werden, usw. So weit so vorhersehbar und in den Feuilletons nachzulesen.

Ich habe mir die Show angesehen. Chappelle ist brillant, setzt präzise Pausen und Pointen, ist provokant, hart und lustig. Allzu Deftiges bricht er mit Selbstironie und Reflexion, bevor es in Schenkelklopfen endet. Fast immer zumindest. Am Anfang seiner Show erzählt er von einer Idee für einen Film, die ihm während seiner Quarantäne als Covid-19-Infizierter gekommen sei, als er Filme über UFOs angesehen habe:

Die Handlung dreht sich um Außerirdische. Sie kommen ursprünglich von der Erde und stammen von einer uralten Zivilisation ab, die interstellar reisen konnte und die Erde vor Tausenden von Jahren verlassen hat. Aber die Dinge laufen für sie furchtbar schief auf ihrem neuen Planeten, also kommen sie wieder zurück und beschließen, die Erde für sich selbst zu beanspruchen. »It’s a pretty good plotline, huh? I call it ›Space Jews‹.«

Die Pointe sitzt, die Allegorie wird verstanden, eine Stimme aus dem Publikum ruft prompt »Free Palestine!« Später erzählt Chappelle, dass es zur Zeit der Sklaverei in den Vereinigten Staaten einmal einen Sklaven gab, der seine Freiheit erlangt hatte, daraufhin Ackerland kaufte und sodann selbst Sklaven hielt. Er fragt, wie ein ehemaliger Sklave »einer Person, die genauso aussieht wie er, dasselbe Böse antun kann. Es ist verblüffend. Und schockierenderweise wird jetzt ein Film über ihn gedreht. Ironischerweise heißt er ›Space Jews‹.«

Kann man für lustig halten, muss man aber nicht. Die antisemitischen Mythen, die Chappelle hier aufgreift, gehören zur Grundausstattung von Israelhassern aller Couleurs, und mit seinem »Weltraumjuden«-Gag bricht Chappelle diese Mythen nicht, sondern verstärkt sie. Bemerkenswert: Im Gegensatz zu den »transfeindlichen« Gags seiner Show habe ich über die antisemitischen in keinem einzigen deutschsprachigen Medium etwas gelesen. Kann man für Zufall halten, muss man aber nicht.

Was es sonst noch Neues gab und gibt, erfahren Sie wie immer auf unserer Website. Bleiben Sie gesund und bleiben Sie uns gewogen!

Herzlich, Ihr Thomas M. Eppinger