MESOP NEWS: KINDER-CORONA & RSV  / ZUR LAGE IN DER BRD

  1. 2021 – Kinderkliniken in Deutschland schlagen Alarm, weil ungewöhnlich viele Kleinkinder mit RSV-Infektionen behandelt werden müssen
  2. Manche Häuser können zeitweise keine neuen Kinder aufnehmen. Der Ruf, dass dies die Rache der Maskenpflicht sei, wird laut. Doch bei genauerer Analyse zeigt sich: Ein anderer Faktor wiegt schwerer – einer, der Gesundheitsexperten durchaus bekannt ist.

    Zunächst ist das Virus mit dem sperrigen Namen Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV) nicht neu: Es gehört zum Zoo der heimischen Winterviren und kann vor allem bei Frühgeborenen und Neugeborenen mit Herz- oder Lungenschäden gefährlich werden. Da im vergangenen Jahr Kinder kaum mit Erkältungsviren konfrontiert waren (Homeschooling, Maskenpflicht, Lockdown), gibt es nun viele Kinder, die noch nie Kontakt mit RSV hatten. Es kommen also zwei Jahrgänge zusammen – und entsprechend höher ist die Zahl der schweren Verläufe. Immunologen haben das kommen sehen – und bereits im Sommer Kinderärzte dazu aufgerufen, gefährdete Kinder zu impfen.

    Schaut man auf die Statistik, so wurden vor einer Woche 269 Kinder mit RSV in 39 Kliniken behandelt, 24 dieser Kinder langen auf den Intensivstationen. Knapp 79 Prozent sind jünger als ein Jahr. Das bedeutet, dass eigentlich nur relativ wenige Kinder, die wegen einer RSV-Infektion in die Kliniken müssen, auch auf den Intensivstationen landen. Warum ist das System in manchen Regionen dann dennoch überlastet?

    Das liegt einerseits an einer gut gemeinten Änderung des Pflegesystems: Personaluntergrenzen wurden vergangenes Jahr eingeführt, eine Kinderpflegekraft darf auf der Intensivstation nun maximal zwei, nachts drei Kinder betreuen. Das soll dazu führen, dass Pfleger nicht mehr so ausgebrannt werden. Die Folge dieser guten Sache ist: Kliniken können weniger Betten bereitstellen. Pflegekräfte sind Mangelware – und sie sind für gewinnorientierte Klinikbetriebe schlichtweg zu teuer.

    Es ist ein Learning der Pandemie: Es darf nichts Unvorhergesehenes passieren – denn für Ausnahmesituationen mit all den Folgeerscheinungen ist unser Kliniksystem nicht besonders gut gerüstet. Pflegerinnen und Pfleger sind keine breit verfügbaren Arbeitskräfte, die Kliniken bei Bedarf schnell dazu buchen können, um sie dann wieder zu entlassen. Pflegepersonal ist hochqualifiziert – und sollte entsprechend auch bezahlt und behandelt werden.

    Die Einführung von Personaluntergrenzen, die eine Überlastung der Pflegenden verhindern soll, war zwar ein guter erster Schritt. Aber es müssen dringend weitere folgen: Solange die Vergütung nicht verbessert, die Kompetenzbereiche nicht erweitert werden – solange bleibt der Beruf des Kranken- und Altenpflegers unattraktiv. Die maximale Gewinnorientierung der Kliniken, sie wird von Gesundheitsexperten seit Jahren bemängelt. Die Pandemie macht dieses Problem für jedermann sichtbar – und für viele sogar spürbar. Ob die logischen und notwendigen Schlüsse daraus gezogen werden? Unklar.