MESOP FOCUS : Türkei will Stützpunkte für Allianz gegen IS öffnen / SCHAMMAR ARABER VERBÜNDEN SICH MIT PESHMERGA
– von Orhan Coskun und Isabel Coles – Ankara/Erbil (Reuters) – Im Kampf gegen die IS-Milizen will die türkische Regierung ihre Militärstützpunkte auch anderen Ländern zur Verfügung stellen.
Über einen entsprechenden Antrag soll das türkische Parlament am Donnerstag beraten. In dem vom Kabinett am Dienstagabend verabschiedeten Entwurf heißt es zudem, die Armee solle notfalls “zu grenzübergreifenden Einsätzen und Interventionen in andere Länder” geschickt werden. Damit könnten türkische Soldaten im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) in den Nachbarländern Syrien und Irak zum Einsatz kommen. Eine Annahme durch das Parlament gilt angesichts der großen Mehrheit der Regierungspartei AKP als sicher.Die Türkei hatte bis vor kurzem eine führende Rolle in der von den USA geleiteten Militärkampagne gegen den IS abgelehnt. Sie befürchtete, dass dadurch letztendlich Syriens Präsident Baschar al-Assad und kurdische Kämpfer, die mit PKK-Rebellen in der Türkei verbündet sind, gestärkt werden könnten. Doch nach der Freilassung von 46 Türken aus IS-Geiselhaft hat sich die Haltung geändert. So forderte Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einigen Tagen, sein Land müsse Solidarität zeigen und sich an der Bekämpfung von IS beteiligen. Außerdem rückten IS-Kämpfer in Nordsyrien zuletzt auf die von türkischen Soldaten aufgrund eines Sonderabkommens bewachte Grabstätte von Suleiman Schah vor, dem Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches.
Ob die Türkei tatsächlich mit einem Bodeneinsatz in die Kämpfe eingreifen wird, ist allerdings mehr als fraglich. Hochrangige Regierungsvertreter signalisierten, die Türkei werde zwar ihre Grenzen zu Syrien und dem Irak verteidigen, wo der IS große Landesteile unter seine Kontrolle gebracht hat. Ein Eingreifen am Boden sei aber unwahrscheinlich. Stattdessen dürfte das Nato-Land auf der Einrichtung einer Flugverbotszone entlang seiner Grenze pochen. Deren Sicherung hat die Türkei angesichts des IS-Vormarsches auf die syrische Grenzstadt Kobani verstärkt und nach Medienberichten 10.000 Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt.
SUNNITISCHER STAMM SCHLIESST SICH KURDEN IM IRAK AN
Im Nordirak eroberten Kurden derweil einen strategisch wichtigen Grenzübergang zu Syrien, der seit Wochen unter Kontrolle der Islamisten stand. Die Peschmerga erhielten dabei Unterstützung von Kurden auf der syrischen Seite sowie von einem wichtigen sunnitischen Stamm im Irak. Die Schammar-Kämpfer würden die Kurden nun voll unterstützen und hätten an der Befreiung des Grenzposten Rabia mitgewirkt, sagte ein ranghoher Stammesvertreter. Die Schammar sind eine der größten Sunniten-Gruppen im Nordwesten des Iraks. http://de.reuters.com/article/topNews/idDEKCN0HQ3IN20141001