“Glücksspitzel” – Wem es möglich ist, in Momenten intensivsten Lebens von einem Glücksgefühl durchdrungen zu sein, benötigt kein Verhaltenstraining zum Umweltschutz.

Der Entertainer betritt die Bühne & singt eine Melodie: “Laß Dich überraschen, hier werden Wunder Wirklichkeit und Träume wahr”.

Die normalen Helden der Sendung werden vom Entertainer in ihrer ordinären’ Alltagswelt vorgestellt, um dann im Playback durch das Nachsingen berühmter Popsongs um die Gunst des Publikums zu konkurrieren. Es geht um den Nachweis, daß im einfachen Menschen mehr steckt, als auf den ersten Blick erkenntlich ist – aber nur, damit er als Imitat, in der Nachahmung, sich als very important person simuliert.

m die Kompensation fürs verlorene Leben zu gewähren; greift die Redaktion auf ein Heer bereitwilliger Informanten zurück, die als “Glücksspitzel” über die mehr oder minder heimlichen Wünsche von Bekannten berichten. Erfüllt werden Lebenswünsche im TV, die nicht auf dieses gerichtet sind, sondern aufs gegängelte Leben, daß jene unterschlägt.

 

Zeit und Glück  

Wem es möglich ist, in Momenten intensivsten Lebens von einem Glücksgefühl durchdrungen zu sein, benötigt kein Verhaltenstraining zum Umweltschutz.  

Zeit war Glück. In ihr fand Erleben statt. Dann wurde aus Zeit Verkürzung von Produktionszeit und Kapitalumschlag. Auch die Macht setzt auf Beschleunigung &

Geschwindigkeit, die sich wie ein grauer Nebel über die bunten Rhythmen der Natur legt, über Eigenzeiten von Gefühlen und Körpern. Von den Stillzeiten bis zur organisierten Erholungsreise – bei der Zeit hört die Freiheit auf.

 

Zeit zu haben gilt von vornherein als Zeichen mangelnder Rationalität und gesellschaftlicher Ohnmacht. Arme haben noch Zeit, schon deshalb müssen sie beseitigt werden. Jeder will der Erste in der Zukunft sein, obwohl Tod und Totenstille das einzig sichere und gemeinsame jeder Zukunft sind. Nur Kinder geben ihre Zeitmassen noch sorglos aus, im Spiel, lassen sich müßig dahintreiben. Nutzen das Glücksquantum des Augenblicks, fernab, zukünftiger Überlegung. Sie möchten die Zeit liebkosen, freuen sich sinnlich an ihrem Stoff, an ihrer Ausdehnung, und langeweiligen Erstreckung und ihrem Faltenwurf weswegen ihnen das Leben für die kurze Spanne der Kindheit (noch) gehört.

 Die unvermeidliche Vision eines Lebens, das linear nur auf den Tod hinausläuft, ist dagegen nicht auszuhalten; gerade deshalb aber sind alle paradox so und überlassen ihr Glück der Despotie der Spitzel.