Öcalan fordert türkisches Eingreifen / Markus Bickel (FAZ)
MESOP : FUNNY BUT TRUE – PKK FORDERT US & ERDOGAN SOLLEN KOBANE RETTEN – SONST KEIN FRIEDENSPROZESS AUS IMRALI
Ausgerechnet die verhasste Armee aus Ankara soll den bedrängten Kurden von Kobane gegen den „Islamischen Staat“ beiseite springen, verlangt PKK-Führer Abdullah Öcalan. Sonst werde er die Friedensverhandlungen mit der türkischen Regierung stoppen.
03.10.2014, von Markus Bickel – FAZ – Der Vormarsch des „Islamischen Staats“ macht die Anzahl vor kurzem noch unvorstellbarer Allianzen immer größer. So fordert nun der einstige Staatsfeind Nummer eins der Türkei, Abdullah Öcalan, ein militärisches Eingreifen Ankaras in der syrisch-kurdischen Enklave Kobane.
Ließe die Führung um Präsident Recep Tayyip Erdogan deren Fall zu, würde seine Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) die Friedensverhandlungen mit dessen Regierung beenden, sagte der seit 1999 inhaftierte PKK-Führer am Donnerstag in einer von türkisch-kurdischen Abgeordneten verlesenen Stellungnahme.
„Ich fordere all diejenigen, die kein Interesse an einem Kollaps des Friedensprozesses haben, auf, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Öcalan. „Die Realität von Kobane und der Friedensprozess lassen sich nicht trennen.“
Zwar hat Erdogans engster Verbündeter, Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, das türkische Parlament bereits ohnehin um Erteilung eines Vorratsmandats gebeten, das den Einsatz von Bodentruppen in Syrien erlaubt. Doch die Drohung Öcalans zeigt, wie eng die Interessen Ankaras und der PKK angesichts des Terrors des „Islamischen Staats“ inzwischen verwoben sind. Seit der Militarisierung des zunächst friedlichen Aufstands gegen Syriens Diktator Baschar al Assad 2012 hat sich Erdogan immer wieder für die Schaffung einer Pufferzone auf syrischem Territorium ausgesprochen. Diese rückt nun näher, sollte das Parlament in Ankara dem Bestreben Davutolus nach einem Militärmandat heute nachgeben. Da Kobane auf syrischer Seite von drei Seiten eingeschlossen ist, sieht Öcalan in einer türkischen Offensive offenbar den einzigen Ausweg, die kurdische Enklave zu befreien.
Mehr als 300 Dörfer rund um die an der Grenze zur Türkei gelegene Stadt sind seit Beginn der Belagerung durch den „Islamischen Staat“ Mitte September in die Hände der Terrorgruppe gefallen. Am Donnerstagmorgen standen Einheiten der mit Panzern und Artilleriegeschützen ausgestatteten Terrorgruppe nur noch drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt; Nachrichtensender berichteten von neuen militärischen Auseinandersetzungen.
Zwar hat die amerikanisch-arabische Antiterrorallianz seit Beginn ihres Einsatzes in Syrien vor zehn Tagen auch Stellungen des „Islamischen Staats“ rund um Kobane bombardiert. Doch das umfangreiche Arsenal schwerer Waffen auszuschalten gelang ihr dadurch nicht. „Sie treffen vielleicht zwei oder drei Panzer“, sagte Faysal Sariyildiz von der Demokratischen Volkspartei der Nachrichtenagentur Bloomberg, am Donnerstag, „aber es sind allein heute Morgen Dutzende, die auf das Zentrum von Kobane feuern.“
Die Verteidigungsschlacht um Kobane, die seit 17 Tagen anhält, wird angeführt von Kämpfern der Volksverteidigungseinheiten (YPG), dem syrischen Arm der PKK, die ebenfalls gegen den „Islamischen Staat“ im Einsatz ist. Auch der Vorsitzende des Kanton Kobane, Enver Müslüm, kritisierte, dass die vereinzelten Luftschläge gegen die Dschihadisten nicht ausreichten, den drohenden Fall der Enklave aufzuhalten. „Wenn sich in Kobane ein Massaker ereignet, sind die internationalen Mächte mitverantwortlich“, sagte er. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/abdullah-oecalan-fordert-tuerkisches-eingreifen-in-kobane-13186320.html