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Nach Militärschlag : Behörden von Nagornyj Karabach beschließen Selbstauflösung

Flucht aus Nagornyj Karabach: Tausende Armenier haben ihre bisherige Heimat bereits verlassen.

Nach dem aserbaidschanischen Angriff auf Nagornyj Karabach ist bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung geflohen. Die selbsternannte Republik soll 2024 aufgelöst werden.

  • Aktualisiert am 28.09.2023-09:25 FAZ  – Die Regierung der international nicht anerkannten Republik Arzach (Nagornyj Karabach) hat nach der Niederlage gegen Aserbaidschan die Auflösung aller ihr unterstehenden Behörden bis zum 1. Januar 2024 beschlossen. Das berichteten armenische Medien am Donnerstag unter Berufung auf ein von Regierungschef Samwel Schachramanjan unterzeichnetes Dokument.

Demnach wurde die Entscheidung wegen der schweren politischen und militärischen Lage getroffen. Sie ziele darauf ab, die Sicherheit und das Leben der Bevölkerung in Nagornyj Karabach zu schützen. Die Auflösung war Teil der Kapitulationsbedingungen.

Die Region ist seit Jahrzehnten zwischen den früheren Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Armenien umstritten. In den 1990er Jahren konnte sich das auf aserbaidschanischem Gebiet liegende, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnte Nagornyj Karabach mithilfe Eriwans in einem blutigen Bürgerkrieg von Baku loslösen. Die Revanche gelang dem mit Öl- und Gaseinnahmen hochgerüsteten und autoritär geführten Aserbaidschan 2020, als es große Teile Nagornyj Karabachs zurückeroberte.

Auch der anschließend geschlossene und eigentlich von russischen Truppen zu überwachende Waffenstillstand erwies sich als brüchig. Nach kurzen heftigen Angriffen in der vergangenen Woche konnte Aserbaischan schließlich die Kapitulation der Regierung in Nagornyj Karabach erzwingen und das Gebiet vollständig erobern.

Nach der Auflösung der Republik Nagornyj Karabach müsse sich die Bevölkerung mit den Aserbaidschans Gesetzen zur Eingliederung der Region vertraut machen, um dann selbst zu entscheiden, ob sie nach Nagornyj Karabach zurückkehren wolle, hieß es in dem Erlass Schachramanjans.

Nach dem Sieg der Aserbaidschaner hat eine Massenflucht der Armenier eingesetzt, die Gewalt und Verfolgung durch die Sieger befürchten. Inzwischen sind 65.000 Menschen nach Armenien geflüchtet. Weitere Zwangsumsiedler sind auf dem Weg. Satellitenbilder zeigen lange Autostaus entlang des Latschin-Korridors, der die einzige Verbindung aus der abgelegenen Gebirgsregion nach Armenien ist. Das aserbaidschanische Militär, das den Korridor zuvor monatelang blockiert und somit eine humanitäre Katastrophe in Nagornyj Karabach provoziert hatte, hat die Trasse für die Ausreise der Armenier geöffnet.

Allerdings unter strenger Kontrolle. So haben die Behörden in Baku am Mittwoch am Grenzübergang den Ex-Regierungschef von Nagornyj Karabach, Ruben Wardanjan, festgenommen. Experten erwarten, dass praktisch alle in Nagornyj Karabach lebenden Armenier die Region verlassen. Offiziellen Angaben zufolge waren das zuletzt 120 000 Menschen.