THEO VAN GOGH Sprachspiele: Unser Deutsch / HOBBY ODER STECKENPFERD ?

Hobby

„Und was haben Sie für ein Hobby?“, fragt der Moderator von Bares für Rares.

Ein Hobby haben ist gleichsam Pflicht – nach dem Beruf. Manche haben gleich mehrere, „toll“ sagt der Moderator und wendet sich dem Objekt des Verkaufs zu.

Wir nehmen die allgemeine Verbreitung des Themas zum Anlass, nach Herkunft und Wortgeschichte zu fragen. Offensichtlich – das erkennt jeder am auslautenden y – ein Anglizismus.

Das Deutsche Fremdwörterbuch (2. Aufl. Bd. 7, S. 327f.) verrät mehr: Das entlehnte hobby ist Kurzform von hobby-horse, ein Spielzeugpferd, bestehend aus einem Stock mit Pferdekopf. Noch heute gibt es ein reiches Angebot im Internet. Offenbar reiten Kinder damit noch immer gerne, den Stock zwischen den Beinen, durchs Wohnzimmer.

Solche Steckenpferde sind in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert bezeugt, wie das Grimmsche Wörterbuch belegt. Das englische Wort taucht erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, anfangs als hobby-horse, später in der verkürzten und groß geschriebenen Form Hobby.

Vielleicht war es in England ursprünglich Ersatz für ein wirkliches Pony, das den Namen Hobby hatte, eine Variante aus Robby, der Kurzform des Rufnamens Robert. Tiere, die bei Kindern beliebt sind, wie Katzen und Hunde, erhalten ja oft solche menschlichen Vornamen. Im Deutschen siegt das Lehnwort Hobby gegenüber dem Steckenpferd. Beides wird generalisiert zur Bedeutung ‚Lieblingsbeschäftigung, Ausgleich zum Beruf, Freizeitvergnügen, Liebhaberei‘. Dabei hat offenbar die viel gelesene Übersetzung des Romans Tristram Shandy von Laurence Sterne durch Johann Friedrich Zückert (1765) eine Rolle gespielt. Inzwischen ist Hobby die Standardbezeichnung geworden, um unzählige Komposita erweitert, von Hobbyangler und Hobbykoch bis Hobbywinzer, von Altershobby bis Wochenendhobby. Der Hobbyraum wurde zum unverzichtbaren Teils des Kellers in jedem Eigenheim. Das Erlanger Finanzamt verdächtigt mich, Glossen nur hobbymäßig zu verfassen, ohne Gewinnabsicht. Dafür gäbe es keinen steuerlichen Rabatt. Kurz: Der Sieg des Lehnworts zeigt sich vor allem in seiner Kompositionsfähigkeit – als Grundwort, als Bestimmungswort und als Basis einer Ableitung. Das war mit dem Steckenpferd nicht zu machen.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de