PwC: Wie Habecks Haus eine private Beratungsfirma glücklich macht

THEO VAN GOGH WATCH : PRIVATE US FIRMA ÜBERNIMMT HABECK! PricewaterhouseCoopers (PwC

Das Wirtschaftsministerium ernennt die private Gesellschaft PwC zur “Prüfbehörde” – und treibt damit deren Umsatz in die Höhe.

Von Ingo Malcher und Marc Widmann   Aktualisiert am 14. September 2023, 8:16 Uhr  DIE ZEIT

Die Energiepreisbremsen für deutsche Unternehmen sind ein Meisterstück deutscher Bürokratie, eine hochkomplizierte Angelegenheit. Wer sie beantragen will, muss eine ganze Reihe von Vorschriften beachten. Da ist es ratsam, sich Hilfe zu suchen bei jemandem, der sich damit auskennt. Zum Beispiel bei der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die damit wirbt, sie würde in der Sache das “Optimierungspotenzial frühestmöglich erkennen” und natürlich auch alle Fristen im Blick behalten.

Am vergangenen Montag verkündeten die Berater von PwC eine weitere Nachricht, die zeigt, wie nah man dran ist an den Fristen und den Behörden. In ihrem Newsletter Energierecht für energieintensive Unternehmen teilten sie mit: Das Bundeswirtschaftsministerium hat PwC zur offiziellen staatlichen “Prüfbehörde” ernannt.

Die Berater entscheiden künftig also mit darüber, ob die Hilfen zur Begrenzung der Energiepreise an einzelne Unternehmen ausbezahlt werden. Sie prüfen dafür, ob die Antragsteller alle dazu nötigen Verpflichtungen eingehalten haben, wie das Verbot von Boni- und Dividendenzahlungen und den Erhalt von Jobs, und sie befinden mit darüber, ob der Staat bei Verstößen Geld zurückverlangen soll.

PwC verdient damit auf vielerlei Weise an den Energiepreisbremsen: bei der Beratung von Antragstellern, bei der Prüfung der Anträge und zudem noch als Beauftragter des Bundes, der Auszahlungen an die Energieversorger über ein Online-Portal organisiert. Wettbewerber erkennen darin Interessenkonflikte: “In der Branche wird über die Entscheidung, PwC zur Prüfbehörde für die Energiepreisbremsen zu machen, nur mit dem Kopf geschüttelt”, sagt etwa Dennis Becher, Vorstandschef von Enplify, einer Gesellschaft zur Beratung von Unternehmen in Energiefragen. Die Sorge: PwC könnte in der Rolle als Prüfbehörde detailliertes Insiderwissen sammeln und es dann in der Rolle als Berater von Firmen versilbern. Derartige Befürchtungen bezeichnet PwC als unbegründet.

Tatsächlich hat das Bundeswirtschaftsministerium zunächst versucht, eine echte staatliche Behörde für die Prüfung zu gewinnen. Doch mehrere Institutionen sagten ab: So kurzfristig könnten sie den zusätzlichen Job nicht übernehmen.

Also landete das Haus von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei PwC. Wieder einmal. Die Gesellschaft ist nämlich seit Jahren gut mit dessen Ministerium im Geschäft. PwC unterstützt es etwa bei den Subventionen für Halbleiterproduzenten, die nach Deutschland gelockt werden, bei Staatsbeteiligungen an Energiefirmen und bei der Vergabe von Großbürgschaften. Auch bei der Inbetriebnahme der Flüssiggas-Terminals oder den Corona-Hilfen war PwC zur Stelle. Also bei vielen Großprojekten. Und jetzt auch noch bei der Prüfung der Strom- und Gaspreishilfen für Unternehmen.

Eine Sprecherin verweist darauf, dass PwC bei einer europaweiten Ausschreibung für den Prüfauftrag das wirtschaftlichste Angebot abgegeben habe. Und dass neben PwC auch noch eine in der Branche bisher unbekannte Gesellschaft namens atene Komaus Berlin zur Prüfbehörde gekürt worden sei. Die soll nun die Anträge jener Firmen kontrollieren, die sich schon bei der Antragstellung von PwC haben beraten lassen. So würden Interessenkonflikte vermieden.

PwC selbst teilt mit, man richte das eigene Handeln an “klaren Werten aus”, die “Einhaltung von Gesetzen, Normen und Richtlinien ist für uns selbstverständlich”. Ferner sei die Weitergabe von mandats- und auftragsbezogenen Informationen ein “strafrechtlicher Verstoß”. Die verschiedenen Projektteams seien grundsätzlich streng getrennt, “mittels sogenannter Ethical Walls”, also ethischer Mauern.

 

Doch so solide sind diese Mauern nicht immer. Im Mai dieses Jahres kam heraus, dass Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft in Australien zwischen 2014 und 2017 Diener zweier Herren waren. Die australische Regierung hatte PwC angeheuert, um sich bei der Abfassung eines Entwurfs für ein neues Steuergesetz beraten zu lassen. Einige der damit betrauten PwC-Mitarbeiter allerdings plauderten die vertraulichen Informationen an Kollegen in der eigenen Firma aus, die dann versuchten, mit den Erkenntnissen aus der Regierungsberatung neue Kunden für das Beratungsgeschäft zu akquirieren. Das zeigen 147 Seiten E-Mails, die die Steuerprüferaufsicht des Landes im Mai veröffentlicht hat. Aus den Mails geht auch hervor, dass den Beratern der Vertrauensbruch durchaus bewusst war. “Weil (das Dokument) uns vertraulich übergeben wurde, bitte ich Euch, es nicht über unseren Kreis hinaus zu verbreiten”, schrieb einer an seine Kollegen. Ein anderer schrieb: “Ich habe Euch kürzlich einen vertraulichen Entwurf weitergeleitet.” PwC erklärte damals dazu, der Vorfall stelle einen “klaren Bruch unseres Verhaltenskodexes” dar.

 

In Deutschland hat sich inzwischen herumgesprochen, dass PwC sich bestens mit dem Wirtschaftsministerium versteht. Fürs Geschäft ist das sicherlich kein Nachteil. Denn die Kunden aus der Industrie finden es durchaus vorteilhaft, wenn ihre Berater gut vernetzt sind. So haben alle etwas davon.