THEO VAN GOGH INSIDE UKRAINE : BANDERA & DIE ASOW NAZI BRIGADEN IN DER UKRAINE / EINE HISTORIE

Asow-Regiment, Stepan Bandera & CoRechtsextremisten in der Ukraine und ihr Einfluss im Land

Immer wieder wird über das berüchtigte Asow-Regiment oder den einstigen Partisanenführer Stepan Bandera und dessen Anhänger berichtet. Gerade eben sorgte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Melnyk, mit Äußerungen zu Bandera für heftige Kritik. Fest steht: Auch in der Ukraine gibt es rechtsextremistische Gruppierungen.  01.07.2022 DEUTSCHLANDFUNK

Auch das rechtsextreme Asow-Regiment sei inzwischen in die regulären Streitkräfte integriert und spiele darin nur eine kleine Rolle, sagte Alexander Ritzmann im Interview

Für den Historiker Götz Aly ist es natürlich völlig unsinnig, wenn Putin behauptet, in Kiew seien Neonazis an der Regierung. Aber, sagte er der Deutschen Presse-Agentur: „Wie in Russland gibt es auch in der Ukraine sehr harte Rechtsradikale. Man sollte dieses Problem gerade in Deutschland nicht ignorieren.“

Eine Gruppierung, deren Namen in diesem Zusammenhang immer fällt, ist das sogenannte Asow-Regiment.  Die Kämpfer der berüchtigten Truppe sind ins Zentrum des Informationskrieges zwischen Moskau und Kiew gerückt.

Mit Neonazi-Symbolen wie der Wolfsangel

Kurz nach Beginn des Ostukraine-Konflikts 2014 wurde das Asow-Regiment als Freiwilligenbataillon gegründet. Seine Kämpfer sorgten mit Neonazi-Symbolen wie der Wolfsangel für Aufsehen. Zu den Gründern des Bataillons gehörte der bekannte Rechtsextremist Andrij Bilezkyj. Allerdings war er schon ab Oktober 2014 offiziell nicht mehr Mitglied der militärischen Einheit, wie der Forscher Andreas Umland, der in der Ukraine lebt und fürs Stockholm-Zentrum für Osteuropastudien arbeitet, der Neuen Zürcher Zeitung erklärte. 2016 rief Bilezkyj demnach die Partei „Nationales Corps“ ins Leben und ein Jahr darauf die „Nationale Miliz“, eine uniformierte, aber unbewaffnete Organisation, die durch martialische Fackelmärsche in Kiew auffiel. Beide Organisationen bezeichneten sich als Teil der Asow-Bewegung, hätten aber nur wenig mit dem kämpfenden Regiment zu tun, so Umland.

„III. Weg“ aus Deutschland

Auch im Ausland fühlen sich manche Rechtsextremisten durch das Asow-Regiment angezogen – so etwa in Deutschland: Gerade bei der rechtsradikalen Kleinstpartei „III. Weg“ seien Verbindungen bekannt, sagte die Projektleiterin des Vereins Mobile Beratung in Thüringen (Mobit), Romy Arnold, der Deutschen Presse-Agentur. Asow-Vertreter seien zum Beispiel bei einer Veranstaltung des „III. Wegs“ in Kirchheim gewesen. Auch die rechte Partei „Neue Stärke“ habe sich klar auf die Seite der Ukraine gestellt. Zudem teilten bekannte Thüringer Rechtsextreme Aufrufe, sich dem bewaffneten Kampf in der Ukraine anzuschließen.

Inzwischen wurde das Asow-Regiment mit seinen aktuell 2.000 bis 3.000 Kämpfern wie andere paramilitärische Verbände in die ukrainische Nationalgarde integriert. Es befindet sich damit unter dem Kommando des ukrainischen Innenministeriums. Trotz der Integration in reguläre staatliche Kommandostrukturen, so schrieb Human Rights Watch 2016 behielten solche Gruppen jedoch teilweise ihre paramilitärischen Strukturen und könnten auch außerhalb der staatlichen Verantwortlichkeit handeln.

 

Aly über Bandera: „Größter ukrainischer Nazi-Kollaborateur und Antisemit“

Erinnert wird in der russischen und prorussischen Propaganda derzeit auch immer wieder an den, wie der Historiker Götz Aly sagt: „größten ukrainischen Nazi-Kollaborateur und Antisemiten“ Stepan Bandera sowie an dessen noch nach 1945 aktive Anhänger. Bandera führte in den 1930er und 1940er Jahren eine nationalistische Bewegung an. Teil davon war eine Rebellenarmee, die an der Seite der deutschen Nationalsozialisten kämpfte. Der Ukrainischen Aufstandsarmee werden unter anderem Massaker angelastet, denen in der Westukraine zigtausende polnische Zivilisten zum Opfer fielen. Sie habe sich auf die Seite der Nazis gegen die Sowjetarmee gestellt, behaupten Banderas Anhänger, weil sie geglaubt hätten, Adolf Hitler würde der Ukraine die Unabhängigkeit gewähren.

Inzwischen habe Bandera 40 Denkmäler in der Ukraine, erklärt Aly. Nachdem die Deutschen 1941 in der Ukraine einmarschiert seien, sei die Kollaboration dort sehr weit verbreitet gewesen. Die Deutschen hatten laut Aly 200.000 ukrainische Hilfspolizisten, von denen mindestens 40.000 unmittelbar an der Erschießungen jüdischen Menschen teilgenommen haben. Diese Kollaboration habe gen Osten hin immer weiter abgenommen. „In der Ostukraine war sie schon sehr gering, im heutigen Russland hat es sie kaum noch gegeben“, führte Aly aus, „es existierte keine russische Hilfspolizei der deutschen Besatzer. Diesen historischen Hintergrund dürfe man nicht leugnen, mahnt er.

Bandera-Straßen in Lemberg und Fackelmärsche in Kiew

Der polnische Parlamentsabgeordnete, Marek Jakubiak, von rechtspopulistische Kukiz 15 hält Bandera für einen Banditen. Ein großer Teil der Ukrainer hänge leider dem Bandera-Kult an. Allein in Lemberg gebe es schon zwei Bandera-Straßen, betonte er. Dabei sei er in Polen in den 1930er-Jahren zum Tod verurteilt worden, weil er an der Ermordung eines Ministers beteiligt gewesen sei.

Zu Jahresbeginn veranstalteten hunderte von ukrainischen Nationalisten in Kiew einen Fackelmarsch anlässlich des Geburtstags von Bandera. Der Chef der nationalistischen Gruppierung „Prawyj Sektor“ (Rechter Sektor), Andrij Tarasenko, sagte: „Nun, da an der Front ein Krieg mit dem Besatzer geführt wird und im Hintergrund der Kampf gegen die ‚Fünfte Kolonne‘ weitergeht, gedenken wir Stepan Bandera und ehren ihn. Der frühere Anführer der Gruppe, Dmitri Jarosch, berät inzwischen den Generalstab der Ukrainischen Streitkräfte. Aber auch ihn sehen viele differenzierter. Die Osteuropa-Expertin und Deutschlandfunk-Redakteurin Sabine Adler ging bereits 2014 der Frage nach, ob Jarosch ein Faschist oder Freiheitskämpfer sei?