THEO VAN GOGH WATCH: GEHEIME US DOKUMENTE BEWUSST CONTRA ZELENSKY VERÖFFENTLICHT?

Die Lage in der Ukraine : Kiew: US-Leaks sollen nichts wichtiges über Angriffspläne verraten

• Aktualisiert am 11.04.2023-06:48 FAZ – Kiew beschwichtigt nach der Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten. Das Leck habe keinen Einfluss auf die geplante Offensive. Präsident Selenskyj ignoriert das Thema in seiner Ansprache zugunsten einer erfreulicheren Nachricht.

Zuvor hatte es Berichte über Geheimdokumente des US-Verteidigungsministeriums gegeben, wonach Selenskyj Ende Februar in einer Beratung mit der Armeeführung Drohnenangriffe auf Standorte der russischen Armee im russischen Staatsgebiet Rostow vorgeschlagen habe.

Das könnte Washington darin bestärkt haben, Kiew keine weitreichenden Waffen zu liefern, hieß es. Podoljak widersprach dieser Darstellung: „Es macht keinen Sinn, einfach abstrakt zu sagen: „Lasst und das Gebiet Rostow bombardieren.“ Bei solchen Beratungen würden vielmehr Prioritäten gesetzt und Strategien festgelegt.
Nach dem Leck amerikanischer Geheimdienstdokumente zum Krieg in der Ukraine demonstriert Kiew zumindest nach außen hin Gelassenheit.

Zwar gab es Medienberichte, die Umgebung von Präsident Wolodymyr Selenskyj habe verärgert auf die Veröffentlichungen reagiert. Dennoch dementierte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Olexij Danilow, dass Daten über militärische Operationen an die Öffentlichkeit gelangt seien. Das betreffe auch die Größe von Einheiten und die Stoßrichtung bei einer geplanten ukrainischen Offensive. „Diese Informationen sind absolut geheim“, sagte er in einem ARD-Interview. Der Beginn der Gegenoffensive werde erst im letzten Moment festgelegt.

Die US-Regierung bemüht sich nach der Veröffentlichung um Aufklärung. „Wir nehmen die Sache sehr, sehr ernst“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Montag (Ortszeit) in Washington. Das Verteidigungsministerium leite eine behördenübergreifende Prüfung, „welche Auswirkungen dies auf die nationale Sicherheit haben könnte“. Beim Justizministerium laufe eine strafrechtliche Untersuchung. Präsident Joe Biden werde fortlaufend informiert.
Seit Wochen kursieren im Internet offenbar geheime Dokumente von US-Stellen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Amerikanische Medien berichten seit Tagen über sensibles Material zu beiden Kriegsparteien, ohne die Dokumente selbst zu veröffentlichen. Unklar ist, wer die schon vor Wochen bei prorussischen Kanälen verbreiteten Dokumente publiziert hat. Das Investigativ-Netzwerk Bellingcat wies nach, dass einige nachträglich manipuliert wurden.

Ukraine bezweifelt Abhörung Selenskyjs

Die ukrainische Führung zog zudem eine angebliche Abhöraktion der USA gegen Selenskyj in Zweifel. Beratungen des Staatschefs mit dem Militär liefen anders ab als in veröffentlichten Geheimdienstdokumenten dargestellt, sagte Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Montag im ukrainischen Fernsehen. Die Beziehungen der Ukraine zu ihren westlichen Partnern seien durch die Veröffentlichungen nicht gefährdet.

„Das sind normale Analysen“, sagte er. Auch er sagte, Pläne zu einer ukrainischen Gegenoffensive würden nicht torpediert, weil daran noch gearbeitet werde.

Letzte Aktualisierung: 11.04.2023, 08:12
Quellen: Institute for the Study of War and AEI’s Critical Threats Project (Gebiete), NASA FIRMS MODIS

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