THEO VAN GOGH NEWS LETZTES : Erdbeben trifft Anleger : Handel an Börse Istanbul nach Milliarden-Verlust ausgesetzt

  • Von Andreas Mihm, Wien FAZ -Aktualisiert am 09.02.2023-15:28

Das Beben schockt den Finanzmarkt. Ein Kursrutsch vernichtet Milliarden, die Börse bleibt geschlossen, einige Geschäfte wurden storniert. Anlegern reicht das nicht.

Nach starken Kursverlusten als Folge des Erdbebens an der türkisch-syrischen Grenzregion bleibt die Wertpapierbörse in Istanbul weiter geschlossen. Der am Mittwoch eingestellte Handel mit türkischen Aktien, Futures und Optionskontrakten solle am 15. Februar, Mittwoch nächster Woche, wieder aufgenommen werden, teilte die Borsa Istanbul mit.

Nach der ersten Unterbrechung des Handels binnen 24 Jahren, 1999 nach einem schweren Erdbeben nahe Istanbul, kündigte die Geschäftsleitung zudem an, alle Geschäfte rückabzuwickeln, die die am Mittwochvormittag vor der Einstellung des Geschäftes getätigt worden waren. Das geringe Transaktionsvolumen habe eine effiziente Preisbildung unmöglich gemacht.

Zuvor hatten Computerprogramme den Absturz der Indizes der wichtigsten 100 Werte, den BIST 100, bei 7 Prozent gestoppt. Gegenüber Freitag vor einer Woche betrug der Abschlag 16 Prozent, nach der Stornierung der Geschäfte vom Mittwoch betrug der Verlust immer noch 9,9 Prozent. Schon am Dienstag hatte das Handelsvolumen mit 2,24 Milliarden Abschlüssen nach zahlen der Handelsaufsicht deutlich unter dem Durchschnitt gelegen, vorigen Freitag waren es mehr als 4 Milliarden gewesen.

Außergewöhnliche Preisbewegungen

Die Folgen des Erdbebens mit Zehntausenden Toten, Verletzten und Vermissten habe zu einer hohen Volatilität und außergewöhnlichen Preisbewegungen geführt, erklärte der Börsenbetreiber: Um das zuverlässige, transparente, effiziente, stabile, faire und wettbewerbsfähige Funktionieren der Märkte zu gewährleisten, habe man den Handel von Aktien und Derivaten eingestellt. Vor dem Handelsstopp hatten manche Unternehmen versucht, den Schaden für ihre Aktien zu begrenzen, indem sie Aktienrückkaufpläne ankündigten. Dazu gehörten die staatliche Turk Telekom und der Mobilfunkbetreiber Turkcell.

Das Beben hat zu großen Schäden an vielen tausend Häusern, Straßen und technischer Infrastruktur geführt. Vielerorts im Bebengebiet sind Gas- und Stromleitungen unterbrochen. Allerdings wurde der Betrieb einer Ölleitung aus dem Irak mit 400.000 Barrel am Tag in den zuvor geschlossenen Ölhafen Cheyhan wieder aufgenommen. Die aus Aserbaidschan kommenden Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline blieb indes außer Betrieb. Die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines kündigte Flüge für Zehntausende zu Sonderkonditionen aus dem Bebengebiet an.