THEO  VAN GOGH NEUSTES: DER GEGNER ISRAELS – Kurator Bonaventure Ndikung : Für immer Documenta?

  • Von Claudius Seidl FAZ – 23.12.2022 – Der Kurator, Kunstkritiker und Autor Bonaventure Soh Bejeng Ndikung

Was geschieht, wenn ein bekennender Israelgegner einen der prominentesten Posten im deutschen Kulturbetrieb übernimmt? Bonaventure Ndikung wird Intendant im Haus der Kulturen der Welt.

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der in seinen Kreisen sehr berühmte Kritiker und Kurator, ist allem Anschein nach ein Mensch, von dem sich andere Menschen gern beeindrucken lassen. Wer sein Charisma exakt vermessen, seine Präsenz ganz direkt spüren wollte, müsste ihn allerdings treffen, was in diesen Tagen nicht möglich ist. Erst in einem halben Jahr will Ndikung wieder mit der Presse sprechen. Das wäre aber zu spät; schon in ein paar Tagen, zum Jahreswechsel, übernimmt Ndikung einen der prominentesten und womöglich auch mächtigsten Posten im deutschen Kulturbetrieb. Er wird Chef des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin – jener Institution also, die, vom Bund finanziert, dem deutschen Geistesleben immer wieder neue kulturelle und ästhetische Perspektiven jenseits des Eurozentrismus erschließen soll.

Bonaventure Ndikung, wie man ihn in Videos, auf Tagungs- und Vortragsmitschnitten beobachten kann, lacht nicht oft; aber wenn er lacht, klingt das unabweisbar, so, als ob allein davon die starren kulturellen Grenzen ins Wanken kämen. Meistens bleibt er ernst, wobei auch sein Ernst keinen Widerspruch zu dulden scheint: Es ist nicht lustig, in diesen postkolonialen Zeiten zu leben. Sein Anblick ist aber jedem Ästheten eine Freude, schon weil Ndikung der monochromen Tristesse des Berliner Kulturbetriebs mit blauen Zweireihern, buntgemusterten Schals und Einstecktüchern einen farbenfrohen Dandyismus entgegensetzt. Wenn er spricht, schafft er es, mit charmantem Bariton selbst schlichte Aufzählungen wie Prosagedichte klingen zu lassen. Und wenn er in einer solche Aufzählung die Menschheitsverbrecher beim Namen nennt: „Fremdenfeinde, Rassisten, Frauenhasser, Neoliberale…“ – dann haben die Fans, die er auch unter Liberalen und Konservativen hat, anscheinend gerade nicht zugehört.