THEO VAN GOGH  WEIHNACHTSWÜNSCHE !  – Landrat im Interview : „Die Bürger wollen keine Flüchtlinge mehr“

  • Von Thorsten Winter FAZ  14.12.2022-  Im Gespräch: Landrat Jan Weckler (CDU) in seinem Büro in Friedberg. Er sorgt sich, wie er jede Woche eine Busladung voll mit geflüchteten Menschen im Kreis unterbringen kann. Zehn Mal so viele Flüchtlinge wie in den zwölf Monaten zuvor muss die Wetterau dieses Jahr aufnehmen. Landrat Jan Weckler (CDU) sagt, wieso Unterkünfte auch in kleine Dörfer kommen – und was vom Bund erwartet wird.

Herr Weckler, noch im Oktober haben dem Wetteraukreis rund 400 Plätze für Flüchtlinge aus aller Welt gefehlt. Diese Anzahl haben Sie nun beisammen. Wie schwer ist es gewesen, die Immobilien dafür zu finden?

Das war schon ein ganz erheblicher Kraftakt. Vor einem Jahr merkten wir, dass wieder deutlich mehr Flüchtlinge zu uns kamen als zuvor. Schon damals war es für uns schwer, Unterkünfte zu finden. Der Kreisausschuss hat deshalb schon seinerzeit formal eine Notlage festgestellt. In der Folge des Ukrainekriegs hatten wir parallel sogar noch eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung für das Land zu betreiben, dafür mussten zwei Sporthallen in Nidda mit Flüchtlingen belegt werden. Damals ging es um eine Verdoppelung des Zuzugs, doch die Zahlen waren weit entfernt von denen, die wir heute haben.

Wie stark ist der Zuzug seitdem gestiegen?

Nach Beginn des Ukrainekriegs kamen natürlich vor allem Ukrainer zu uns. Aber die meisten von ihnen wurden von Verwandten oder Bekannten aufgenommen und mussten nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden.

Das hat sich seit dem Sommer geändert?

Ja. Wir haben mittlerweile einen Anteil von rund 80 Prozent von Flüchtlingen aus den weltweiten Krisengebieten, nur noch ein Fünftel kommt aus der Ukraine. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Erstaufnahme des Landes Hessen. Als das Land dann Ende September eine Verdoppelung der Flüchtlingszahlen im vierten Quartal ankündigte, haben bei uns die Alarmglocken geschrillt. Wir mussten schauen, wie wir schneller vorankommen bei der Akquise von Unterkünften und wie wir das überhaupt managen können. Wir haben 2021 rund 590 Flüchtlinge im Kreisgebiet aufgenommen – wenn die Prognose zutrifft, werden es bis Ende Dezember dieses Jahres bis zu 5300 sein.