MESOP MIDEAST WATCH : NUR IN KURDISTAN / IRAN BLEIBT DER WIDERSTAND DAUERHAFT

Iran-Experte im Gespräch : „Wir nähern uns dem Ende der Proteste“

  • Von Jochen Stahnke FAZ  – 22.10.2022- An einen Erfolg der Proteste in Iran glaubt Mohammadbagher Forough nicht mehr. Im F.A.Z.-Interview sagt der iranische Wissenschaftler, es fehle die Führungsfigur und die Agenda.

Was ist neu an den Protesten in Iran, wie blicken Sie darauf?

Der interessanteste Aspekt für mich ist die maßgebliche Beteiligung von Frauen jeden Alters. Man sieht es am Slogan „Frauen, Leben, Frieden“. Das ist eine Erneuerung des Mottos der Französischen Revolution „Liberté, Egalité, Fraternité“, mit einem Update des patriarchalisch konnotierten Wortes „Brüderlichkeit“. So viel zum optimistischen Teil.

Wie wirkmächtig sind die heutigen Proteste im Vergleich zu früheren?

Man muss die Dinge nüchtern betrachten. Die Proteste jetzt bekommen viel Aufmerksamkeit im Westen und in den Medien, weit mehr als die Proteste 2009 und 2019. Und das, obwohl sich damals deutlich mehr Menschen beteiligt hatten. 2009 gingen in Iran Zehntausende auf die Straßen, und auch 2019 beteiligten sich noch einmal Tausende an den Protesten, es gab 1500 Tote. Diesmal sehen wir Hunderte Demonstranten, wenn wir uns die Videos genau anschauen, abgesehen von Städten der Minderheiten wie Sanandaj.