THEO VAN GOGH NEUSTES: Energiekrise in Italien : Eine Stadt sagt Nein zum Flüssiggasterminal
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Von Matthias Rüb, Piombino FAZ – 15.09.2022-
Im Hafen von Piombino soll nach dem Willen der Regierung in Rom das LNG-Flüssiggasterminal „Golar Tundra“ anlegen. Piombino an der Küste der Toskana wäre aus Sicht der Regierung in Rom der ideale Standort für ein Flüssiggasterminal. Aber die Stadt will davon nichts wissen.
Piombino bleibt beim Nein. In seltener Einmütigkeit hat der Gemeinderat in dieser Woche den Plan abgelehnt, im Hafen der kleinen Stadt an der toskanischen Küste ein Flüssiggasterminal einzurichten.
23 von 24 Stadtverordneten stimmten dagegen. Die Debatte bewegt längst nicht mehr nur die gut 30.000 Einwohner der Stadt, wo die Fähren zur Insel Elba und auch nach Korsika ablegen, sondern die ganze Nation. Dass die einzige Stimme für die Anlage von einem Mitglied der Sozialdemokraten unter Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Enrico Letta stammte, ist weltanschaulicher Zufall. Denn Parteizugehörigkeit spielt bei dem Streit um das Flüssiggasterminal keine Rolle. Von den postfaschistischen Brüdern Italiens und der rechtspopulistischen Lega über Berlusconis Forza Italia und die Sozialdemokraten bis hin zur linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung und den Kommunisten – alle Parteien sind in Piombino gegen das Terminal.
Und die Geschäftsleute und Gastwirte sind es auch. Dieser Tage sind die Restaurants und Cafès, Eisdielen, Bars und Andenkenläden am Corso Vittorio Emanuele II. in der Altstadt von Piombino noch gut frequentiert. Touristen auf dem Weg nach Elba oder auf dem Heimweg von dort legen eine Pause ein.