THEO VAN GOGH: RINGTAUSCH GEHT WIE ERPRESSUNG vulgo KOMPENSATION
Tobias Müller FAZ 24.7.22
Polen gibt sich mit der von Deutschland angebotenen Kompensation für die Lieferung von mehr als 200 Panzern sowjetischer Bauart in die Ukraine bei weitem nicht zufrieden.
Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak sagte in einem am Samstag veröffentlichten Interview, dass die Bundesregierung 20 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A4 liefern wolle, die erst in 12 Monaten einsatzfähig wären. Polen erwarte aber mindestens 44 Panzer, um ein Panzerbataillon ausstatten zu können.
„Sicherlich gibt es Geschenke, die man nur mit großer Vorsicht annehmen sollte“, sagte der Minister dem Nachrichtenportal „wPolityce.pl“. „Ihr geringer Wert dient später als nützlicher Vorhang, um die viel brutalere Realität zu verschleiern.“ Zuvor hatte Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek im „Spiegel“ von einem „Täuschungsmanöver“ Deutschlands gesprochen.
Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, man habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen. „Die Bundesregierung ist weiterhin bereit, auch mit Polen einen Ringtausch zu organisieren.“ In Berlin hieß es aber auch, man sei verwundert über die scharfen politischen Töne aus Polen. Auf Fachebene seien die Gespräche immer konstruktiv gewesen.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) wies den Vorwurf des Wortbruchs zurück. „In so einer Situation täuscht niemand seinen europäischen Nachbarn“, sagte sie in einem „Bild“-TV-Interview. Sie räumte aber ein, dass die Ringtausche mit Nato-Partnern zur Versorgung der ukrainischen Armee mit schweren Waffen nicht so laufen wie geplant.