THEO VAN GOGH NEWS  :  PATRICK BERNAU (FAZ) MIT DIENST-BENZ & LOFT & 15000 MONATSGEHALT PAUKT ANDERE “VERLUSTFREUDIGKEIT”!:

Zu viel Hilfe vom Staat : Die verwöhnten Deutschen

Kommentar von Patrick Bernau  10.07.2022 – Seit Jahren tun die Bundesregierungen alles dafür, dass die Deutschen von den Krisen der Welt nichts bemerken. Jetzt wird das Gas knapp. Und die Politik muss sich ändern.

Bald wird in Deutschland das Gas knapp. Rein rational ist das jedem klar. Doch die Bundesregierung tut alles dafür, dass die Deutschen sich das nicht zu Herzen nehmen. So kann es nicht weitergehen.

Gefühle sind wichtig. Sie helfen Menschen in der Regel, in kurzer Zeit und mit wenig Energie gute Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es oft gut, dass Gefühle die menschlichen Handlungen leiten. Und für die Politik ist es umso wichtiger, auf Gefühle Rücksicht zu nehmen und sich nicht nur an kalten Fakten zu orientieren. Eigentlich.

In den vergangenen Jahren hat ein Gefühl besonders viel Aufmerksamkeit erfahren: die Verlustaversion. Menschen mögen es nicht, wenn sie weniger haben als vorher – Verluste nehmen sie emotional ungefähr doppelt so stark mit wie Gewinne in gleicher Höhe. Und wenn zu viele Menschen zu viel verlieren, dann wählen sie vielleicht extreme Parteien. Also versucht die Politik seit Jahren, den Menschen nur keinen Verlust zuzumuten.

Begonnen hat alles mit der Finanzkrise

Begonnen hat alles mit der Finanzkrise. In Deutschland herrschte damals die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Aber die Deutschen haben davon nicht viel mitbekommen – Kurzarbeit und Konjunkturprogramme halfen mit viel Staatsgeld, Härten zu vermeiden. So ging es weiter. Corona-Krise? Macht nichts. Alle bleiben zu Hause, der Staat ersetzt die Ausfälle großzügig und pauschal. Nicht jeder kam ohne Verlust aus der Sache heraus, dafür sanierten sich andere. Während die Wirtschaftsleistung im ersten Pandemiejahr einbrach, stiegen die Nettoeinkommen von unteren und mittleren Einkommen sogar um fünf Prozent, wie DIW, OECD und Bertelsmann-Stiftung gerade ermittelt haben.

Das Ganze mochte Angela Merkels Politikstil geschuldet sein. Die Ampelkoalition aber macht genau so weiter. Für Bundeskanzler Olaf Scholz gilt das erklärtermaßen, doch auch Wirtschaftsminister Robert Habeck spricht deutlich eher über Zumutungen für die Deutschen, als dass er sie tatsächlich verteilt.

Immer deutlicher zeichnet sich ab: Wenn die Bundesregierung demnächst den Energiekonzern Uniper und vielleicht noch einige andere rettet, dann wird sie sich dafür einen Weg ausdenken, auf dem bloß möglichst wenig von den steigenden Gaspreisen bei den Verbrauchern ankommt. Nicht die Verbraucher sollen zahlen, sondern der Staat. Wirtschaftlich ist der Unterschied nicht sehr bedeutend, psychologisch aber enorm.

Jetzt ist Schluss mit dem In-Watte-Packen

Doch dieses Prinzip stößt jetzt an Grenzen, an drei gleichzeitig.

Erstens wird die Krise umso schlimmer, je weniger den Menschen im Alltag der Ernst der Lage bewusst ist. Solange man die Probleme am Gasmarkt nicht spürt, fällt auch das Einschränken schwerer.

Zweitens geht dem Staat das Geld aus. Jahrelang konnte die Bundesregierung Schulden machen und bekam dafür manchmal sogar noch Geld gezahlt. Insgesamt sanken die Zinsausgaben seit dem Jahr 2000 von fast 40 Milliarden Euro jährlich auf 7 Milliarden. Das schaffte zusätzliche Spielräume für staatliche Wohltaten. Jetzt aber steigen die Zinsen. Jetzt muss sich der Finanzminister darauf einrichten, dass die Ausgaben dieses Jahr schon wieder auf 16 Milliarden Euro steigen – allein dieser Anstieg kostet fast so viel wie Robert Habecks ganzes Ministerium.

Das dritte Problem ist vielleicht noch größer. Eigentlich müssten die Deutschen resilienter werden. Sie müssten sich darauf einstellen, dass die nächsten Jahre schwierig werden – vielleicht gedanklich und wirtschaftlich vorsorgen. Stattdessen geschieht das Gegenteil: Die Deutschen sind über mehr als ein Jahrzehnt immer weiter von der Unbill der Welt entwöhnt worden. Wirtschaftlich schwierige Zeiten kennt mancher nur noch aus dem Geschichtsbuch. Wenn es jetzt doch mal Probleme gibt, dann ist der Schock umso größer.