THEO VAN GOGH NEU: JO BIDEN Vater &Sohn – Das Ukraine Geschäft der Biden’s !

Mit Nachdruck verlangte Joe Biden 2016 von der ukrainischen Regierung, dass sie Staatsanwalt Wiktor Schokin entlassen solle, der der Korruption bei Burisma nachging, dem skandalträchtigen Energieunternehmen, das Hunter für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat eine Million Dollar zahlte

Der US-Präsident hat aus der Politik ein Business für seinen Clan gemacht. Die Enthüllungen um seinen Sohn Hunter bringen ihn nun immer weiter in Bedrängnis.

Urs Gehriger 08.05.2022 WELTWOCHE ZÜRICH

Die Indizien häufen sich, die Fragen werden hartnäckiger. Derweil verbarrikadiert sich US-Präsident Joe Biden hinter seinem Pressecorps. «No comment», mauerte seine Sprecherin nach den neusten Enthüllungen, laut denen der engste Business-Partner von Joe Bidens Sohn Hunter mindestens 27 Mal Audienz im Weissen Haus erhalten hatte. Eisern betet man Joe Bidens altes Mantra vor: «Ich habe nie mit meinem Sohn über seine Geschäfte im Ausland gesprochen.» Und angeblich auch nicht mit dessen Geschäftspartnern.

Mit jedem neuen Indiz, welches das Gegenteil nahelegt, bröckelt Joe Bidens Glaubwürdigkeit. Die Hunter-Laptop-Story ist zu einer Joe-Biden-Story geworden. Dokumente aus dem Laptop zeigen: Bei Hunter Bidens Geschäftsmodell geht es um ein System der Einflussnahme, das Joe Biden seit den ersten Tagen seiner Amtszeit als Senator vor vier Jahrzehnten betrieb. Und das während seiner Amtszeit als US-Vizepräsident (2009 bis 2017) internationalisiert wurde.

Präsident Obama hatte seinem Vize Joe Biden die Verantwortung in wichtigen Teilen der Welt übertragen, namentlich in China, Russland und der Ukraine. Es waren jene Länder, in welchen Joe Bidens Familie das meiste Geld einnahm. Es geht um eine Summe von mehreren Dutzend Millionen Dollar.

Trio aus der Demokraten-Aristokratie

Um zu verstehen, wie Gewinne in dieser Grössenordnung möglich waren, muss man das Geschäftsmodell Biden genauer betrachten. Hunter war bloss der Köder. Vater Joe Biden war der «big catch», der grosse Fang. Köder und Beute allein reichen freilich nicht aus, um solvente Interessenten anzulocken. Zum Fischen braucht es Fischer, Rute und Ausrüstung.

Hunter Bidens zentrales Fischereiunternehmen, um bei der Analogie zu bleiben, war die Investmentfonds-Firma Rosemont Seneca Partners mit Sitz im beschaulichen Delaware, dem Heimatstaat der Bidens, zwischen New York und Washington, D. C. gelegen, einschlägig bekannt als eine der grössten Steueroasen der USA.

Hunter hat die Firma im Juni 2009 gegründet, genau in jenem Jahr also, als sein Vater Joe Biden das Amt des Vizepräsidenten der USA antrat. Das Gründerteam ist ein illustres Trio. Wie Hunter selbst sind seine Firmenpartner Sprösslinge aus der Demokraten-Aristokratie. Da ist zum einen Chris Heinz, Sohn der Ketchup-Erbin Teresa Heinz und Stiefsohn des ehemaligen US-Aussenministers und heutigen «Umweltzars» John Kerry. Das Anwesen der schwerreichen Familie Heinz – die Rosemont Farm in der Nähe von Pittsburgh – ist es denn auch, nach welcher die Firma benannt wird.

Vater und Sohn benutzten sogar teilweise dieselben Konten und Kreditkarten.

Hunters zweiter Partner ist Devon Archer, ein ehemaliges Abercrombie-&-Fitch-Model, der zuvor als Berater von Senator John Kerry fungierte. Im Jahr 2018 wird Archer wegen Wertpapierbetrugs und Verschwörung verurteilt. Doch davon ist man 2009 noch weit entfernt. Zum Auftakt der Fischerei-Saison, sprich: von Joe Bidens Eintritt ins Zentrum der Weltmacht, machte sich das hochgeborene Trio auf, seine mächtigen Familienbeziehungen in Geld umzuwandeln.

In der Zentrale zählt man auf enge Vertraute des Biden-Clans. Wie Eric Schwerin, der als Chef von Rosemont die Deals einfädelt und der gleichzeitig Joe Bidens persönliche Finanzen managt. Und besonders auf Joe Bidens jüngeren Bruder, Jim Biden. Hunter und Onkel Jim bilden den Kern eines Geschäftsmodells, das effektiv als Familienunternehmen operiert. Wie stark die Familie das Geschäft dominiert, belegen Korrespondenzen auf dem Laptop. In einer E-Mail vom Dezember 2015 (an Bobulinski) erklärt Hunters Geschäftspartner, der Brite James Gilliar, dass er Hilfe bei der Strukturierung eines chinesischen Joint Ventures für «eine der prominentesten Familien in den Vereinigten Staaten» benötige. Der Plan ist, «eine Investmentfirma wie Goldman Sachs aufzubauen», schreibt er in der Whatsapp-Nachricht. «Die Familie ist die Biden-Familie», wird Gilliar bald enthüllen.

Lange haben Hunter und Partner in China vorgespurt. 2013 fliegt Hunter an Bord der Air Force Two direkt nach Peking ein. Dank Joe Bidens Macht und Einfluss landen sie 2017 schliesslich einen Deal, von dem auch dieser selbst nach Ausscheiden aus dem Vizepräsidenten-Amt aktiv profitieren soll. Die Bidens erwarteten, dass Projekte in Milliardenhöhe fliessen würden, bezeugt Gilliar. Der chinesische Partner der Bidens ist ein Energieunternehmen namens CEFC, das «mehr Geld als Gott» habe, wie er schreibt.

Der «Delaware Way»

Etwa zu diesem Zeitpunkt folgt ein weiterer Beleg dafür, dass man bei den Bidens Hunters Tätigkeiten als Familienunternehmen versteht. So wird Hunters Partner Tony Bobulinski in einer E-Mail als «ein Stellvertreter für Hunter Biden, Jim Biden und die Bidens auf der ganzen Welt» vorgestellt. «Die Familie Biden nutzte den Namen der Familie Biden aggressiv aus, um Millionen von Dollars von ausländischen Unternehmen zu erhalten, obwohl einige aus dem kommunistisch kontrollierten China stammten», wird Bobulinski später in einem öffentlichen Interview zu Protokoll geben.

Hier zeigt sich ein weiteres Merkmal des Familienmodells der Bidens. Wo Profit geholt werden kann, wird Profit geholt. Selbst wenn es sich um Projekte handelt, die Amerika schaden. Das chinesische Unternehmen CEFC, das die Bidens um knapp fünf Millionen Dollar bereicherte, war der kapitalistische Arm der gigantischen «neuen Seidenstrasse». Eines Projekts, mit welchem China sich anschickt, Amerika als wirtschaftliche Supermacht zu überholen.

Der Schlüssel zum Erfolg von Hunter Bidens Business-Netzwerk ist einzig und allein sein Status als Sohn des Vizepräsidenten. Für Firmen und Unternehmer weltweit war Hunter ein begehrter Partner – nicht weil er besondere professionelle Fähigkeiten oder einschlägiges Wissen besass, sondern ganz einfach weil er der Sohn des zweitmächtigsten Mannes auf der Welt war. Und man sich durch ihn Zugang zu der US-Regierung erhoffte.

Der Schlüssel zu Hunters Erfolg ist einzig und allein sein Status als Sohn des Vizepräsidenten.

Hunters Geschäftskollegen spielen diesen Joker bewusst aus, wenn sie in ihrem E-Mail-Verkehr die Dienstleistungen ihrer Firma anpreisen und von einem «Biden lift» sprechen. Hunter sorgt dafür, dass dieser «lift» ausgewählte Kunden bis in die höchste Etage führt. So schreibt Hunter voller Stolz an den mexikanischen Tycoon Alemán Magnani: «Ich habe jede einzelne Person, um die Sie mich je gebeten haben, ins Weisse Haus gebracht.»

Der Biden-Clan praktiziert eine Art des Geschäftens, die Vater Joe während seiner Senatorenzeit in Delaware zur Kunstform entwickelt hat. Den «Delaware Way» nennen ihn Insider: «Eine Form der sanften Korruption, bei der sich geschäftliche und politische Interessen überschneiden und die es in diesem Staat seit Jahren gibt», so beschreiben ihn Bundesstaatsanwälte, die Fälle von korrupten Wahlkampfspenden untersuchen, in die die Bidens verwickelt sind.

Einmal im Weissen Haus angekommen, setzt der Biden-Clan den «Delaware Way» einfach fort. Warum sollte im Epizentrum der Weltmacht nicht funktionieren, was sich im beschaulichen Heimatstaat als Cashcow bewährt hatte?

Die Rollen, die seine beiden Söhne im Clan übernehmen würden, stehen für Joe Biden seit langem fest. Der Erstgeborene Beau ist – nomen est omen – das Familien-Juwel, der Vorzeige-Biden, zu Höherem bestimmt. Hunter, der Jüngere, ist der Jäger, der Geldbeschaffer.

«Es war ein einfacher Plan, den Joe für seine Söhne entwickelt hatte», schreibt Miranda Devine, Autorin von «Laptop from Hell», dem bislang einzigen Buch, das exklusiv Dokumente aus Hunters Laptop ausgewertet hat. «Beau war das goldhaarige Wunderkind, das als nächster JFK [John F. Kennedy, d.Red.] in die Politik gehen und auf seinem Weg ins Weisse Haus blitzsauber und über jeden Vorwurf erhaben bleiben sollte. Er würde vom Bundesstaatsanwalt zum Generalstaatsanwalt von Delaware aufsteigen, auf dem Weg zum Gouverneursposten und vielleicht in den Senat. Hunter, der lieber Künstler oder Schriftsteller geworden wäre, wurde mit der Aufgabe betraut, die Rechnungen für den Rest der Familie zu bezahlen, und zwar mit lukrativen Gnadenjobs und Sonderangeboten, die durch Joes Netzwerk von Verbindungen in Delaware und später in der ganzen Welt ermöglicht wurden.»

Und so geschah es. Das Netzwerk gedieh, die Gelder flossen. Und wo etwas Schmiere nötig war, war Joe zur Stelle. Er traf sich mit Hunters Geschäftspartnern aus aller Welt, von Kasachstan über Mexiko, Russland und China bis hin zur Ukraine. Er liess Hunter Biden und seine Geschäftspartner in seinem Dienstflieger Air Force Two mitfliegen. Er liess den Sohn E-Mails über den abhörsicheren Bordfunk verschicken. Und im Umfeld von offiziellen Regierungstreffen durften Hunter und seine Kumpels ihre Geschäfte abwickeln.

Wundersames Schweigen der Medien

Die Hunter-Laptop-Story ist zu einer Joe-Biden-Story geworden.

Unmöglich, dass Vater Joe dabei nichts von diesen Geschäften mitbekommen hat, wie er steif und fest behauptet. Sogar sein eigener Sohn widerspricht ihm. Er habe sehr wohl mit seinem Vater über Deals in der Ukraine gesprochen, versicherte Hunter bereits vor Jahren vor Journalisten.

Doch wer nichts wissen wollte, und bei den Bidens wollen die Medien auf wundersame Weise nichts wissen, der stellte sich blind. Selbst dann, als man Joe Bidens Einflussnahme nicht mehr übersehen konnte. Zum Beispiel als der amtierende US-Vizepräsident zum Showdown in der Ukraine auflief. Mit Nachdruck verlangte Joe Biden 2016 von der ukrainischen Regierung, dass sie Staatsanwalt Wiktor Schokin entlassen solle, der der Korruption bei Burisma nachging, dem skandalträchtigen Energieunternehmen, das Hunter für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat eine Million Dollar zahlte, obwohl er über keinerlei Erfahrungen in der Ukraine oder im Energiesektor verfügte.

Jahre später prahlte Joe Biden vor laufender Kamera, er habe der Regierung in Kiew gesagt, wenn Schokin nicht innert sechs Stunden gefeuert werde, kappe er die Hilfsgelder aus den USA. «Ich schaute sie an und sagte: ‹Ich gehe in sechs Stunden: Wenn der Staatsanwalt nicht gefeuert wird, bekommt ihr das Geld nicht.› Tja, der Hurensohn. Er wurde gefeuert.» Ein offensichtlicher Fall von Quidproquo.

Peinlichkeiten mit Prostituierten

Die meisten Einflussnahmen von Joe Biden fanden jedoch unter der Oberfläche statt. Der Laptop fördert zutage, wie tief der Filz reichte. So waren die Finanzen des Vizepräsidenten und seines Sohnes nicht klar getrennt. Hunter klagte immer wieder, dass er der Geldeintreiber der Familie sei. Einmal sagte er, dass er die Hälfte seiner Einkünfte dem Vater abgeben müsse. Nachweislich hat Hunter viele Rechnungen des Vaters von seinem eigenen Konto bezahlt. So zum Beispiel Unterhaltsarbeiten für die Villa des Vaters in Delaware oder Telekom-Rechnungen.

Vater und Sohn benutzten sogar teilweise dieselben Konten und Kreditkarten. Was zu Peinlichkeiten führte, als Hunter immer tiefer in die Drogen- und Sexsucht abglitt. In einem Fall intervenierte der Geheimdienst, als Hunter mit der Familienkarte für eine Prostituierte bezahlte.

Kurzum: Dokumente aus dem Laptop verdichten folgendes Bild: Der Vater half durch seinen Einfluss und seine Macht dem Sohn bei seinem internationalen Business. Und der Sohn half dem Vater, die Rechnungen zu bezahlen. Und bereicherte den Biden-Clan.

Dass bislang keine Spuren entdeckt worden sind, die nahtlos auf den Schreibtisch des Vizepräsidenten führen, ist weiter nicht erstaunlich. In dem Business gibt es strikte Vorsichtsregeln, die dem alten Politfuchs Joe Biden in Fleisch und Blut übergegangen sind. So werden Bestechungsgelder nicht an Spitzenbeamte bezahlt. Besonders in China, wo die Bidens ihren dicksten Fang an Land ziehen, versteht man diese Art des Geschäftens perfekt. Man bezahlt an den Sohn, die Tochter oder ein Familienmitglied. «In China werden diese Söhne Prinzen genannt», wie Miranda Devine unterstreicht. «Es ist völlig normal, dass sie [die chinesische Regierung, d. Red.] die Botschaft verstand», als Vizepräsident Joe Biden 2013 mit Sohn Hunter in der Air Force Two in Peking einflog. «Die Chinesen wussten: Hier kommt die amerikanische Macht, um private Geschäfte zu machen.»

Trotz Diskretion ist es in China, wo Hunters Kollegen eine Art «smoking gun» hinterlassen, die eine direkte Beteiligung Joe Bidens an den Gewinnen seines Sohnes nahelegt. In einem Businessmodell von 2017 für eine globale Investmentfirma, die mit zehn Millionen Dollar aus chinesischen Staatsquellen ausgestattet war, figuriert unter den Profitträgern der ominöse Eintrag: «10 werden von H für den big guy verwaltet.»

Nachdem die New York Post als Erste diese E-Mail veröffentlichte, spekulierte die Öffentlichkeit: Wer ist der big guy? Tony Bobulinski, Hunter Bidens Partner und Besitzer der betreffenden Firma, löste das Rätsel auf: «Der big guy ist Joe Biden.» Vieles spricht dafür, dass Bobulinski die Wahrheit sagt. Auf dem Laptop hat die Weltwoche zahlreiche Referenzen gefunden, die Joe Biden als big guy identifizieren.

Zeichen für ein Impeachment-Verfahren

Kann die Laptop-Saga Joe Biden im Amt als US-Präsident gefährden? Derzeit läuft gegen Sohn Hunter Biden eine juristische Untersuchung wegen möglicher Steuervergehen. Vielen Republikanern geht dies zu wenig weit. Sie fordern eine Sonderermittlung gegen Joe Biden. Der Laptop ist voller Belege, die sich als Indizienbeweise ins Feld führen lassen – und gemäss Justiz-Insidern zu einem Impeachment-Verfahren gegen den US-Präsidenten ausreichen könnten.

Solange die Demokraten die Mehrheit im Kongress haben, kann sich Joe Biden in Sicherheit wiegen. Das könnte sich nach den Zwischenwahlen im November blitzartig ändern. Insbesondere, wenn bis dann neue Indizien gegen den US-Präsidenten aus dem Fundus von Hunter Bidens Laptop gehoben werden.

Dossier zum Thema: weltwoche.ch/daily/hunter-biden