THEO VAN GOGH SOCIETY: DIE ALLTÄGLICHEN VERBRECHEN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI ROT CHINAS

Angekettete Frau in China:„Schwester,die Welt hat dich im Stich gelassen“

Friederike Böge, Peking FAZ -17.2.2022 FAZ – Das Video einer angeketteten und mutmaßlich entführten Frau hat in China eine Debatte über Menschenhandel ausgelöst. Die Vorwürfe richten sich auch gegen die Behörden.

Seit drei Wochen diskutiert die chinesische Öffentlichkeit über das Schicksal einer Frau, die mit einer Eisenkette um den Hals in einer Hütte in der Provinz Jiangsu aufgefunden worden war. Selbst der Wirbel um die Olympischen Winterspiele konnte das Thema nicht aus den sozialen Netzwerken verdrängen. Ein Grund dafür sind widersprüchliche Aus­sagen der Lokalbehörden über die Identität des Opfers und die Hintergründe ihres Martyriums. Das weckte das Misstrauen der Öffentlichkeit. Früh wurde vermutet, dass die Frau entführt und gegen ihren Willen verheiratet worden sei.

Anfang Januar war ein Video der angeketteten Frau aufgetaucht. Darin schien sie sich nicht mit Worten verständlich machen zu können. Der Blogger, der die Aufnahmen gemacht hatte, war nach eigenen Angaben auf die Hütte in der Stadt Xuzhou gestoßen, als er dem Spendenaufruf eines Manns im Netzwerk TikTok auf den Grund gehen wollte. Dieser Mann hatte angegeben, Vater von acht Kindern zu sein, was in China höchst ungewöhnlich ist, weil bis 2016 die Ein-Kind-Politik galt. Die Frau sollte demnach die Mutter sein.

Verdacht auf Menschenhandel

Da die Familienplanungsbehörde in solchen Fällen aktiv wird, erscheint es vielen unwahrscheinlich, dass die Situation des Opfers den örtlichen Behörden unbekannt war. In einer ersten Stellungnahme teilte das Parteikomitee des Landkreises Feng-xian mit, die Frau neige zu Gewalt und leide an Schizophrenie. Sie sei kein Opfer von Menschenhandel. Zwei Wochen später allerdings und nach massivem öffentlichen Druck gab die übergeordnete Stadtregierung von Xuzhou bekannt, dass ein Ehepaar wegen des Verdachts auf Menschenhandel festgenommen worden sei.

Das Opfer stammt nach offiziellen Angaben aus der Provinz Yunnan. Ihr Name wurde mit Xiao Huamei angegeben, was eher wie ein Spitzname klingt. Die des Menschenhandels beschuldigte Frau hatte offenbar ursprünglich angegeben, den Eltern des Opfers Ende der neunziger Jahre versprochen zu haben, Xiao Huamei zur psychia­trischen Behandlung in die Provinz Jiangsu zu bringen und dort einen Ehemann für sie zu finden. Der Vater der acht Kinder wurde wegen Freiheitsentzugs festgenommen.

Mehrere Juristen nahmen den Fall zum Anlass, um härtere Strafen für Männer zu fordern, die entführte Frauen kaufen. Bislang stehen darauf bis zu drei Jahre Haft, während Menschenhändler mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden können. Immer wieder werden in den ländlichen Gebieten Chinas Fälle von Frauenhandel und Zwangsheirat aufgedeckt. Eine Ursache dafür ist die frühere Ein-Kind-Politik, die aufgrund der Präferenz für Jungen dazu geführt hat, dass es heute in China deutlich mehr Männer als Frauen im heiratsfähigen Alter gibt.

Die Opfer von Frauenhandel kommen mittlerweile häufig aus Nachbarländern wie Vietnam. Nichtregierungsorganisationen, die sich für psychisch kranke Menschen einsetzen, meldeten sich ebenfalls zu Wort. Der Fall erinnert an das immense soziale Gefälle, das in China zwischen Stadt und Land herrscht. Frauenrechts­themen stoßen in der jungen urbanen Mittelschicht auf großen Widerhall.

Im Internet werden Zweifel an der Identität der Frau geäußert, die sich nun in einer psychiatrischen Einrichtung befinden soll. Unter anderem wegen eines Hochzeitsfotos, das wenig Ähnlichkeit mit ihr zu haben scheint. Zwei Frauen, die sich berufen fühlten, Xiao Huamei zu Hilfe zu eilen, wurden am Wochenende von der Polizei festgenommen. Zuvor hatten sie in dem sozialen Netzwerk Weibo geschrieben: „Schwester, die Welt hat dich im Stich gelassen. Wir kommen, um dir zu helfen.“