THEO VON GOGH SOCIETY: ZUR KRITIK DER ÖKOLOGISCHEN ÖKONOMIE = DAS ERDTERRAIN MUSS NEU VERMESSEN & DIE PARTIZIPATION DER SUBJEKTE KATEGORIAL FESTGELEGT WERDEN NACH KLASSENKADERUNG
Artenschutz vs Welternährung:Mensch gegen Natur
Kommentar FAZ 6.2.2022 – Konsequenter Artenschutz und Welternährung liegen im Zielkonflikt. Was können wir also tun? So oder so kommen wir aus der Nummer mit der Globalisierung nicht wieder heraus.
Seit dem Erscheinen der Tiere in der Erdgeschichte ist es fünfmal zu drastischen Artensterben gekommen. Nicht wenige Forscher sehen nun ein sechstes heraufziehen: Schon stehen 38 Prozent der Nettopflanzenproduktion der Biosphäre im Dienst menschlicher Nutzung. Die Biodiversität ist daher in steilem Sinkflug. Um dem Einhalt zu gebieten, müssten dem Menschen größere Flächen entzogen werden. Ein Vorschlag, der Ende April auf einer UN-Konferenz im chinesischen Kunming diskutiert werden soll, zielt darauf ab, 30 Prozent aller Land- und Seeflächen der Erde unter Naturschutz zu stellen.
Eine Forschergruppe um Roslyn Henry von der Universität Edinburgh hat nun in Nature Sustainability ausgerechnet, was der damit einhergehende Verzicht auf die Nutzung der Flächen als Agrarland für die Ernährung der Weltbevölkerung bedeuten würde. Sie finden, dass eine strikte Umsetzung solcher Pläne bis 2040 rund 200.000 Menschen das Leben kosten würde, vor allem im subsaharischen Afrika und Südasien. Denn ausgerechnet in den artenreichen Tropen können sich die Menschen von den dann teureren, weil knapperen Lebensmitteln weniger leisten, und zwar auch von den rein pflanzlichen.
Es kommt nicht häufig vor, dass solche Zielkonflikte so hart benannt werden. Zu gerne stellt man sich vor, es werde im Hinblick auf die Naturzerstörung schon alles gut werden, wenn die Welternährung nur lokal, ökologisch und fleischlos wird. Man sollte sich aber vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, dass das nicht reicht. Wenn die Natur in den ärmeren Weltregionen mehr zu verlieren hat, dann muss der reichere Teil den Naturschutz dort eben subventionieren, auch mit Nahrungsmittellieferungen und dauerhaft, nicht als Entwicklungshilfe. Die Abhängigkeiten, die das schafft oder verstetigt, wird man kritisieren. Aber die Abhängigkeiten sind ja gegenseitig. So oder so kommen wir aus der Nummer mit der Globalisierung nicht wieder heraus.